Erstellt am 25. April 2017, 02:49

von Gila Wohlmann

Polizei ist keine Frage des Alters. Die Exekutive braucht Verstärkung. Daher wurden die Aufnahmekriterien aufgeweicht.

Arthur Reis, Kommandant des Bildungszentrums Traiskirchen, mit Ausbildungsleiter Rudolf Tcherne und der stellvertretenden Ausbildungsleiterin Barbara Komericky (v. l.) feilen an der Ausbildung ihrer Schüler.  |  LPD NÖ

Eine Karriere bei der Polizei. Diese Türe steht seit einiger Zeit auch jenen offen, denen es bislang verwehrt war, weil sie zu klein oder auch zu alt waren. Der Grund: Das Land braucht mehr Polizisten. Das Bundesministerium für Inneres wirbt intensiv für den Exekutivdienst.

Wer sich für den Polizeidienst entschließt, muss zuerst das Aufnahmeverfahren bestehen. Dieses besteht aus einem Rechtschreib- und Grammatiktest, der psychologischen Eignungsdiagnostik, einem Sporttest, einer medizinischen Überprüfung und einem persönlichen Aufnahmegespräch. Alle Teile des Auswahlverfahrens sind streng standardisiert und finden in jedem Bundesland statt.

"Eine Mindestgröße von 1.55 Metern ist von Nöten"

Nach einer Verordnung von 1954 durften Bewerber früher nicht über 30 Jahre alt sein und es galt die Mindestgröße von 1,63 Metern für Frauen und 1,68 Meter für Männer. Das ist hinfällig. „Eine Mindestgröße von 1.55 Metern ist nach der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung aber von Nöten“, so Johannes Buder von der Personalabteilung der Landespolizeidirektion NÖ.

Dass man die Beschränkungen aufgehoben hat, begrüßt der Leiter des Bildungszentrums Traiskirchen, Arthur Reis: „Ein altersmäßig erweiterter Personenkreis bietet mehr Interessenten die Chance, sich zu bewerben. Das führt zu einer zusätzlichen qualitativen Steigerung in der Polizei und trägt dazu bei, dass Österreich weiterhin eines der sichersten Länder der Welt bleibt.“ Doch ist ein über 40-Jähriger genau so fit wie ein 18-jähriger Schulabgänger? „Für ,Spätberufene‘ gelten gleichen Voraussetzungen wie für Junge. Nur die Limits beim Sporttest sind der jeweiligen Altersstufe – unter 30, dann in Fünf-Jahresschritten – angepasst“, erklärt Reis, auch „dass die meisten am Rechtschreib- und Grammatiktest scheitern“.

Auch für „Ältere“ lohnt es sich, sich zu bewerben, denn: „Spätberufene genießen eine sehr hohe Akzeptanz in der Gruppe, haben hohe Führungsbereitschaft und nehmen Führungsverantwortung in der Mannschaft aufgrund von mehr Lebenserfahrung wahr – eine ideale Ergänzung zu den jüngeren Kursteilnehmern. Das wirkt sich positiv auf die Gruppendynamik aus“, meint er.

Die Nachteile? „Ein paar Tage von der Familie getrennt sein, das Einstiegsgehalt von rund 1.200 Euro. Für Junge ist das viel, für jene, die bereits in der Privatwirtschaft gearbeitet haben, nicht hoch.“ Wie sieht der „Wunschschüler“ des Leiters des Bildungszentrums aus? „Verantwortungsbewusst, empathisch, lernwillig, flexibel, loyal. Erfahrung im Umgang mit Menschen und mit Liebe zum Menschen.“ Und: Der Beruf sollte als Berufung gesehen werden.