Erstellt am 07. Juni 2016, 05:50

von Gila Wohlmann

Gleiches Recht für alle Kinder. Die Gleichstellung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge wird jetzt gefordert.

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, SOS-Kinderdorf-Geschäftsleiter Clemens Klingan, Eva Kern, Geschäftsführerin des Don Bosco Flüchtlingswerks, Michael Chalupka, Direktor der evangelischen Diakonie, Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez vom Netzwerk Kinderrechte und Katharina Glawischnig von der Asylkoordination (v. l.).  |  NOEN, Gila Wohlmann

Kinder und Jugendliche sind alle gleich, unabhängig von Status, Religion, Herkunft. So sieht es zumindest die UN-Kinderrechtskonvention vor. „Die Rechte von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen werden verletzt. Sie haben weniger Betreuung, weniger Bildungschancen oder eingeschränkte medizinische Versorgung“, sagt Eva Kern, Geschäftsführerin des Don Bosco Flüchtlingswerks.

Mehr als 45 Organisationen unterstützen die neue Kampagne des Don-Bosco-Flüchtlingswerks „Keine halben Kinder“, die auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam machen will. „Kinder in der Grundversorgung haben keine Einzelbetreuung, kaum Beschäftigungsmöglichkeiten, meist keinen Zugang zu Bildungsangeboten“, kritisiert Michael Chalupka, Direktor der evangelischen Diakonie. In Niederösterreich sind es 36 Stellen, in denen unbegleitete Minderjährige in der Grundversorgung des Landes untergebracht sind. Darin befinden sich 966 Kinder und Jugendliche, hinzu kommen fünf Sonderbetreuungsstellen des Bundes mit rund 820 unbegleiteten Minderjährigen, derzeit 476 Jugendliche sind in Traiskirchen untergebracht.

Chalupka drängt darauf, dass „die Kinder aus dem Lager Traiskirchen auf kleinere Quartiere aufgeteilt werden.“ Mehr schlecht als recht funktioniere, betont Katharina Glawischnig von der Asylkoordination, die Kooperation mit der Betreuungsorganisation in Traiskirchen und der Regionaldirektion. Nicht zuletzt, „da es dort an geschultem Personal mangelt“.

Innenministerium weist Vorwürfe scharf zurück

Ein Vorwurf, den Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck zurückweist: „Es wird besonderes Augenmerk auf die Asylverfahren unbegleiteter Minderjähriger gelegt. Ein eigenes Referententeam ist auf den Umgang mit Minderjährigen spezialisiert.“ Am Beginn des Verfahrens liege das Hauptaugenmerk immer auf der Suche nach den Eltern, „diese wird mit einer NGO durchgeführt“. Die Staatendokumentation des Bundesamtes liefere überdies genaue Informationen über die Situation in den Heimatländern.

Zum Vorwurf der langen Verfahrensabwicklung lässt er wissen: „Diese Verfahren sind aufwendig, da eben konkret auf die Situation jedes Kindes eingegangen wird.“