Erstellt am 07. Juni 2016, 06:50

von Gila Wohlmann

Bauernhof brennt. Ob Blitz, Elektrodefekt oder Heubrand: Ein Viertel aller Brände passieren in der Landwirtschaft.

Mai 2016: Brand des Bauernhofs in St. Georgen am Ybbsfeld.  |  NOEN, Paul Plutsch

Eine gewaltige Gewitterfront, zog vor einigen Tagen über den Bezirk Amstetten. Im Wirtschaftstrakt eines landwirtschaftlichen Anwesens bei Behamberg schlägt ein Blitz ein. Das Gebäude steht in Vollbrand.

Nur wenige Tage davor: Eine Feuersbrunst erfasst eine Scheune eines landwirtschaftlichen Anwesens in Kautzen. Der Brand greift rasch auf ein weiteres Wirtschaftsgebäude, in dem 15 Milchkühe untergebracht sind, über. Die Tiere können noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

„Ein Viertel aller in Niederösterreich pro Jahr anfallenden Brände ereignet sich in der Landwirtschaft“, berichtet Erich Rosenbaum, Leiter des Bereichs Brandermittlung im Landeskrimimalamt NÖ.

Doch warum brennen gerade so viele Bauernhöfe ab? „Die Brandursachen sind vielfältig, wobei schadhafte elektrische Anlagen den größten Anteil ausmachen. Auch Unachtsamkeit bei Trennschneide- und Schweißarbeiten sind oft Auslöser“, weiß der Brandermittler. In langen Hitzeperioden sind Brände von Erntemaschinen, die auf den Feldern beim Betrieb durch Überhitzung in Brand geraten, häufig.

Selbstentzündungen von Heu und Düngemittel, Blitzschläge sowie zündelnde Kinder führen ebenso jedes Jahr zur verheerenden Schäden.

Auch Brandstiftung als Ursache

„In rund 40 Fällen pro Jahr wird aber als Ursache Brandstiftung festgestellt“, weiß Rosenbaum. Immer wieder sterben bei den Bränden auch Menschen oder Tiere werden Opfer der Flammen. Rosenbaum erinnert sich an einen Bauerhofbrand im Weinviertel, „wo ein Kind einen Brand am Heuboden verursachte und ums Leben kam“. Und an einen Brand im Mostviertel, der durch Heuselbstentzündung entstand. Rosenbaum: „Das gesamte Gehöft sowie 40 Rinder fielen den Flammen zum Opfer.“

Wenn die Ursache eines Brandes unklar ist, greift das Landeskriminalamt mitunter auf Sachverständige für Brandursachenermittlung der Landesstelle für Brandverhütung zurück.

Hier agieren neun Mitarbeiter, davon sieben Techniker. Sachverständiger Günther Harsch verweist auf die Brandschadenstatistik und stellt ebenso fest, dass „Blitzschlag und elektrotechnische Defekte die häufigsten Brandursachen sind.“ Nicht oder schlecht gewartete Elektroanlagen oder und im wahrsten Sinne des Wortes „,brandgefährliche“ Tätigkeiten wie Schweißen in der Nähe von brennbaren Materialien führen zu verheerender Feuersbrunst auf landwirtschaftlichen Anwesen.

1.800 Feuerschäden, 5,1 Mio. Euro Schaden

Laufend mit der Aufarbeitung solcher Brandschadensfälle haben auch die Versicherungen zu tun. Günter Chyba ist Leiter des Bereichs „Service und Schadenmanagement“ bei der NÖ Versicherung, die derzeit rund 19.000 Landwirtschaften versichert. „Im Landwirtschaftsbereich entstehen rund 1.800 Feuerschäden pro Jahr mit einer Schadenbelastung von rund 5,1 Millionen“, sagt Chyba. Die meisten Fälle sind von der Versicherung gedeckt, sofern nicht grobe Fahrlässigkeit vorliegt. „Fälle, die auf besondere Sorglosigkeit zurückzuführen sind, kommen im Agrarbereich in den letzten Jahren selten vor.“

Für die Feuerwehren sind solche Einsätze eine große Herausforderung: Wegen panischer Großtiere, gefährlicher Substanzen wie Dünge- oder Spritzmitteln und auch wegen der Treibstofftanks, über die die meisten Landwirte verfügen, sagt Pressesprecher Franz Resperger. Hoch brisant sind auch Brände in Silos, hier droht Erstickungsgefahr. „Da helfen wir uns natürlich mit Atemschutzgeräten. Wobei aber auch die Absturzgefahr nicht zu unterschätzen ist. Brandbekämpfung auf Bauernhöfen ist oft auch äußerst zeitintensiv. Glosendes Heu muss mühsam zerteilt werden, um alle Glutnester ablöschen zu können“, sagt Resperger.


Brand & Ermittlung

Brandursachen in der Landwirtschaft*:
Atmosphärische Elektrizität: 174 Fälle
Behälter-Explosion: 5 Fälle
Brandlegung: 33 Fälle
Elektrische Energie: 119 Fälle
Mechanische Energie: 9 Fälle
Offenes Licht & Feuer: 42 Fälle
Selbstentzündung: 10
Sonstige Zündquellen: 84
Unbekannte Zündquellen: 21
Wärmeenergie: 17
Gesamt: 514 Fälle, acht Fälle davon hatten einen Schaden von über 200.000 Euro.
Die meisten Brände im Bereich der Landwirtschaft gab es 2014 im Bezirk Amstetten (69 Fälle).

Die Polizei-Brandermittler:
Derzeit sind 96 vom Landeskriminalamt NÖ (Ermittlungsbereich Brand/Sprengstoff/Explosionsdelikte) ausgebildete Bezirksbrandermittler in Niederösterreich im Einsatz. Serienbrandlegungen, Brandstiftungen größeren Ausmaßes, Großbrände, Brände, die großes öffentliches Interesse erregen, sowie Brände mit Toten werden von diesen Spezialisten übernommen.

* Brandschadensstatistik 2014, Zahlen für 2015 liegen noch
nicht vor.