Erstellt am 10. November 2015, 05:37

von Jutta Hahslinger

Hass-Posting im Netz gegen Flüchtlinge. „War nur blöde Schreiberei“, meinte 22-Jähriger zu Kommentar, man solle den Flüchtlingsstrom nach Mauthausen leiten.

Richter Dietmar Nussbaumer ermahnt den Angeklagten zum Nachdenken.  |  NOEN, Jutta Hahslinger
Vor dem Verhandlungssaal gab sich der 22-jährige Handwerker aus dem Bezirk Bruck mit seinen Angehörigen noch selbstbewusst und in der Runde fiel die Äußerung: „Wegen so einer Bagatelle steht man vor Gericht. Es schimpft doch jeder im sozialen Netzwerk.“

Bei der „Bagatelle“ handelte es sich um ein Internet-Statement des 22-Jährigen, worin er Asylanten unflätig beschimpfte und meinte, dass man den Flüchtlingsstrom nach Mauthausen weiterleiten sollte.

Vor Richter Dietmar Nussbaumer gab sich der 22-Jährige dann kleinlaut und schilderte: „Ohne nachzudenken, habe ich auf einen Beitrag geantwortet. Das war doch nur eine blöde Schreiberei.“ Er habe doch gar nichts gegen Flüchtlinge, versicherte er. Der Richter nahm das holprige Geständnis des Handwerkers zur Kenntnis, hakte aber nach, als dieser auf das Thema Mauthausen nicht eingehen wollte: „Was assoziieren Sie mit Mauthausen? Sie müssen sich etwas gedacht haben, sonst hätten Sie ja auch Laa an der Thaya nennen können?“

„Der Hitler hat dort Leute beschäftigt
und dann umgebracht, glaube ich“

„Der Hitler hat dort Leute beschäftigt und dann umgebracht, glaube ich“, zeigte der Beschuldigte ein sehr bescheidenes Wissen über die Zeit des Nazi-Regimes auf.

Der Richter führte dem 22-Jährigen drastisch vor Augen: „Sie haben gegen Menschen gehetzt und vorgeschlagen, sie an einen Ort zu bringen, wo sie umgebracht werden.“

„Es tut mir wirklich leid. Ich werde nie wieder so was posten. Ich habe dazugelernt“, beteuerte der Handwerker. Betroffen vernahm er dann das Urteil: fünf Monate auf Bewährung und 2.400 € Geldstrafe (oder 60 Tage Arrest). Nicht rechtskräftig.

ZITIERT

„Ich arbeite in der Firma mit Ausländern zusammen und komme gut mit ihnen aus. Es gibt überhaupt keine Probleme“,
beteuerte Beschuldigter vor Gericht.

„Das war ein Flüchtlingslager, eh ein KZ-Lager vom Hitler“,
verhaspelt sich Beschuldigter, zum Thema Mauthausen befragt.

„Hirn einschalten, bevor Sie etwas posten“,
Richter harsch zum Beschuldigten.

„Deshalb gibt es das Landesamt für Verfassungsschutz“,
klärte Richter den Beschuldigten nach dessen Aussage, jeder würde im sozialen Netzwerk hetzen und schimpfen, auf.

„Derartige Äußerungen erreichen im Netz viele Menschen. Sie machen negative Stimmung, stacheln auf und stellen eine massive Gefahr dar. In Deutschland brennen Asylheime“,
führt Richter dem Beschuldigten drastisch vor Augen.