Erstellt am 21. Juni 2016, 11:55

Neues Hitze-Tool für Land NÖ. Land Niederösterreich und ZAMG haben am Dienstag, 21. Juni 2016, das neue Hitze-Tool für Niederösterreich präsentiert. Vor Hitzewellen verschickt die ZAMG Warnungen an Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altersheime, sowie Freiwilligen- und Blaulichtorganisationen.

 |  NOEN, Symbolbild

Passend zum kalendarischen Sommerbeginn wird es in den nächsten Tagen deutlich wärmer. In der zweiten Wochenhälfte sind in Österreich verbreitet Temperaturen um 30 Grad zu erwarten. Speziell für ältere und kranke Menschen kann Hitze auch eine große Belastung darstellen, besonders wenn es sich um längere Hitzeperioden handelt.

In einer Zusammenarbeit zwischen dem Land Niederösterreich und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurde daher mit Juni 2016 ein spezielles Hitzewarntool eingerichtet.

Sind in einem Bezirk zumindest zwei Tage mit großer Hitzebelastung zu erwarten, werden Institutionen wie Landespflegeheime, Landesjugendheime, Landeskliniken, Kinderbetreuungseinrichtungen, der Notruf NÖ, die Rettungsorganisationen sowie die Ärztekammer und die Abteilung für Zivilschutz gewarnt, um rechtzeitig unterstützende Maßnahmen vorzubereiten und auch in der Personalplanung reagieren zu können.

Regionale Vorhersagen von Temperatur, Feuchte, Wind und Strahlung

„Die Hitzewarnung ist also ein Instrument um präventive Maßnahmen einzuleiten und gleichzeitig für den Extremfall gerüstet zu sein", sagt Niederösterreichs Gesundheitslandesrat Maurice Androsch, „wir wollen in dieser Phase die Menschen sensibilisieren, dass Hitze ein gefährdendes Element für die Gesundheit ist und man vorbeugen soll."

Als Grundlage für die Hitzewarnungen dienen hochauflösende Wettervorhersagemodelle der ZAMG auf einem 1x1 Kilometer Raster, die einen speziellen Hitzeindex auf sehr regionaler Basis berechnen, beschreibt ZAMG-Direktor Staudinger das System.

„Neben der Temperatur spielen die Luftfeuchtigkeit, der Wind und die Sonneneinstrahlung eine entscheidende Rolle, wie die Hitze empfunden wird und welche negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus damit verbunden sind. Dabei haben auch die Jahreszeit und vor allem die Dauer einer Hitzewelle einen entscheidenden Einfluss. Einen einzigen Hitzetag übersteht man leichter als eine mehrtägige Hitzeperiode."

Hitzewellen werden häufiger

Die Zahl der Hitzetage (30 Grad und mehr) hat sich in Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt, in einigen Regionen sogar verdreifacht. So registrierte die ZAMG in den 1950er-Jahren in St. Pölten durchschnittlich neun Hitzetage pro Jahr. Seit den 2010er-Jahren gibt es in St. Pölten schon durchschnittlich 19 Hitzetage pro Jahr. In Amstetten stieg die Zahl der Hitzetage im gleichen Zeitraum von sieben auf 19 Hitzetage.

Seit den 2000er-Jahren kam es erstmals in der Messgeschichte in einigen Regionen von Niederösterreich vor, dass pro Jahr mehr als 40 Hitzetage registriert wurden, zum Beispiel im Jahr 2015 in St. Pölten (41 Hitzetage), in Wr. Neustadt (42 Hitzetage) und in Krems (43 Hitzetage).

Auch die Zahl der Tropennächte (Tiefsttemperatur nicht unter 20 Grad) hat sich in Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt bzw. in einigen Regionen verdreifacht.

Hitze oft unterschätzt

Berechnungen von Klimamodellen lassen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Großteil von Europa einen weiteren Anstieg von Hitzetagen erwarten. „Daher ist es wichtig, effektive Warnroutinen zu installieren, damit rechtzeitig Vorkehrungen und Maßnahmen gesetzt werden können", sagt ZAMG-Direktor Staudinger, „Hitze ist eine oft unterschätzte Wettergefahr, kann aber sehr dramatische Folgen haben. Die besonders gut untersuchte Hitzewelle im Jahr 2003 wird in Europa mit rund 70.000 Todesfällen in Zusammenhang gebracht."

Ähnliche Hitzeschutzpläne wie in Niederösterreich laufen bereits in Kooperationen der ZAMG mit den Ländern Steiermark und Kärnten sowie mit der Stadt Wien.