Erstellt am 18. Juli 2017, 03:38

von NÖN Redaktion

30.000 Grad heiß. Hannes Pichler ist Blitzexperte bei ALDIS.

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NÖN: Wie kommt es überhaupt zu einer Blitzentladung?

Hannes Pichler: Dafür benötigt man feuchte Luft, die in große Höhe gebracht wird. Dies passiert im Sommer häufig durch warme feuchte Luft, die aufsteigt und abkühlt, bis sich Eiskristalle bilden. Diese werden immer größer und schwerer, bis sie zurück zur Erde fallen und mit entgegenkommenden Wassertröpfchen zusammenstoßen. Bei diesen Kollisionen werden negativ geladene Elektronen aus den Wassertröpfchen herausgeschlagen und mit den schweren Eiskristallen in die unteren Schichten der Gewitterwolke transportiert. Dadurch wird die Wolke in den oberen Regionen positiv aufgeladen und durch diese Ladungstrennung ist sie polarisiert. Es entsteht sowohl eine Spannungsdifferenz innerhalb der Wolke, als auch zur Erdoberfläche. Dies führt zur Blitzentladung, entweder innerhalb der Wolke als Wetterleuchten – oder als Blitz in Richtung Erde.

Was passiert bei einem Blitzeinschlag?

Pichler: Zunächst wächst ein Leitblitz ruckweise von der Wolke zur Erde. Erst im letzten Moment, wenige 100 Meter von der Erdoberfläche entfernt, wachsen dem Leitblitz eine oder mehrere Fangentladungen entgegen – üblicherweise von hohen Gebäuden, Türmen oder Bäumen. Die Fangentladung, die als erstes den Leitblitz erreicht, legt den Einschlagort des Blitzes fest. Erst jetzt ist der Stromkreis geschlossen und der Blitz leuchtet hell auf. Dabei entsteht große Hitze von rund 30.000 Grad Celsius und die Luft um den Blitzkanal dehnt sich schlagartig aus. Diese Druckwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit von rund 330 Metern pro Sekunde aus.