Erstellt am 26. April 2016, 07:04

von NÖN Redaktion

„Sind Sprachrohr des Patienten“. Michael Steffen ist Patientenanwalt beim Verein „VertretungsNetz“.

Michael Steffen  |  NOEN, privat

NÖN: Wie kann ein Patientenanwalt einem Untergebrachten helfen?
Michael Steffen: Wir vertreten die Patienten im Unterbringungsverfahren und treten auch darüber hinaus für deren Rechte und Anliegen ein. Vor Gericht stehen wir Menschen zur Seite, die in psychiatrischen Abteilungen zwangsweise untergebracht oder dort eingeschränkt sind.

Wie läuft da die Zusammenarbeit mit dem psychiatrischen Spital?
Wir sind vom Krankenhaus unabhängig, kontrollieren freiheitsbeschränkende Maßnahmen. Wir suchen mit dem Personal nach Alternativen, die Freiheitsbeschränkungen so rasch als möglich zu beenden. Wir sind sozusagen das Sprachrohr des Patienten.Patientenanwälte sind Juristen, Psychologen oder Sozialarbeiter.

Wo liegen die Herausforderungen in der Kommunikation mit psychisch kranken Klienten?
Das Wichtigste ist Vertrauensaufbau. Der Patient soll erkennen, dass wir ihn unterstützen wollen. Unser Ziel ist es, dem Klienten, so weit als möglich, zu einem selbst bestimmten Spitalsaufenthalt zu verhelfen. Mit der Entlassung endet im Regelfall unsere Unterstützung.

Sehen Sie in der derzeitigen Gesetzeslage Lücken?
Für die Akutpsychiatrie ist diese ausreichend, nicht aber im Bereich psychisch kranker Rechtsbrecher. Patienten der forensischen Abteilung und Insassen im Maßnahmenvollzug haben keine rechtliche Vertretung, aber das Bundesministerium für Justiz arbeitet derzeit an einem dementsprechenden Gesetz.