Erstellt am 16. Mai 2017, 02:07

von Gila Wohlmann

Wenn ein Getränk willenlos macht. Gerade im Sommer ist auf Festen Vorsicht geboten. Eine unsichtbare Gefahr droht.

Symbolbild     |  Jacob Lund/Shutterstock.com

Eine Frau gibt in Wien an, sie sei vergewaltigt worden. DNA-Spuren werden festgestellt. Der mutmaßliche Täter hat sich mittlerweile bei der Polizei gestellt. Es steht im Raum, dass ihr in einem Lokal K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt wurden. Aber K.O.-Tropfen nachzuweisen, ist schwer; sie sind nur rund zwölf Stunden nachweisbar.

Sind K.O.-Tropfen in Niederösterreich auch Thema? Johann Baumschlager, Pressesprecher der Landespolizeidirektion, erinnert sich an die Verurteilung des Traiskirchner Ex-Pfarrers, der bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, einem Burschen diese verabreicht und ihn vergewaltigt zu haben. Baumschlager geht von einer „Dunkelziffer aus, da viele Fälle nicht zur Anzeige kommen.“

Informationskampagne „K.O.-Tropfen – Nicht mit mir!“

Aber nicht jeder Verdacht auf K.O.-Tropfen bestätigt sich. „Oft sind große Alkoholmengen im Spiel“, weiß er. Die daraus resultierende Benommenheit zieht mitunter unüberlegte Handlungen mit sich, die bei einkehrender Nüchternheit, aus Scham als Folge von K.O.-Tropfen angegeben werden. Dennoch: K.O.-Tropfen sind allgegenwärtig. Die Polizei und das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) arbeiten im Rahmen der Informationskampagne „K.O.-Tropfen – Nicht mit mir!“ zusammen. Gerade zur Zeit der Feste wird wieder verstärkt auf die Gefahr hingewiesen.

„Unter K.O.-Tropfen werden flüssige Drogen verstanden, die in geringer Dosis stimulierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd wirken“, erklärt Andreas Bandion, Leiter der Kriminalprävention im Landeskriminalamt NÖ. Diese werden unbemerkt ins Getränk gemischt, um die Opfer gefügig zu machen.

„Die Tropfen sind farb- und geruchlos, schmecken salzig bis seifig und sind in Mixgetränken kaum wahrnehmbar“, warnt er. Sie rufen Übelkeit, Schwindel, einen willenlosen Dämmerzustand hervor, schließlich Bewusstlosigkeit und Verlust der Erinnerung. Auch Ursula Hörhan, Geschäftsführerin der NÖ Fachstelle für Suchtprävention, rät: „Nie Getränke unbeaufsichtigt stehen lassen und nur direkt vom Kellner übernehmen.“