Erstellt am 12. April 2016, 07:04

von Gila Wohlmann

Das Auto als stummer Zeuge. Ob zur Lenkererhebung oder zur Ausforschung von Dieben: Spuren im Auto liefern gute Beweise.

Armin Rauchbüchl und Horst Reisner vom Bundeskriminalamt bei der forensischen Untersuchung eines sichergestellten Fahrzeuges.  |  NOEN, Bundeskriminalamt/Thomas Rathpoller
Der tragische Verkehrsunfall auf der S 6 im Bezirk Neunkirchen vor einigen Tagen, bei dem eine 28-Jährige und ein 17-Jähriger ums Leben kamen, erschüttert. Auch wenn dieser Unfall mit einem 300-PS-Boliden noch viele Fragen aufwirft, zumindest steht der Lenker fest: Er hat sich der Polizei gestellt.

Doch was, wenn dies, wie es öfter vorkommt, nicht der Fall ist? Die Erhebungen nach Fahrerflucht sind für die Exekutive eine Herausforderung. Spurensicherung zählt neben Zeugenaussagen daher als wichtigstes Mittel zur Beweisfindung nach Verkehrsunfällen mit Verletzten oder Toten. „Vieles ist oft bei der Erstunfallaufnahme unklar, manches wird abgestritten. Fahrerflucht ist, wenn Alkohol oder Suchtmittel im Spiel waren, häufig“, weiß Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion NÖ.

„Wir greifen hier seit vielen Jahren vorrangig auf Faserspuren, die kollisionsbedingt entstehen, zurück“, erklärt Kriminaltechniker Johannes Hieß. Für die kriminaltechnische Untersuchung werden über Anordnung der Staatsanwaltschaft (StA) das Fahrzeug und die Kleidung der Insassen sichergestellt. „Dabei werden im Innenraum Fahrzeugverkleidungsteile aus Kunststoff ausgebaut und unter dem Mikroskop auf eingeschmolzene Faserspuren untersucht. Werden solche Fasern gefunden, so können diese mit dem jeweiligen Kleidungsstück auf Faserübereinstimmung verglichen werden“, erklärt er.

Hieß ist seit 1993 bei der kriminalpolizeilichen Untersuchungsstelle (KPU) des Landeskriminalamtes NÖ im Sachgebiet Verkehrsunfalluntersuchung tätig. Im Vorjahr gab es acht Fälle, wo er diese forensische Untersuchung anwendete. Ältere Fahrzeugmodelle ohne der vielen Airbags machten die Untersuchung leichter, weiß Hieß: „Da sieht man eher Veränderungen an den Fahrzeugteilen, gegen die der Lenker geschleudert wurde.“

Nicht jede Spur am Lenkrad ist vom Fahrer

DNA-Spuren am Lenkrad müssen nicht zwingend vom Unfallverursacher sein. „Manchmal klettert der Beifahrer, weil das Auto zur Seite gekippt ist, über die Fahrertüre hinaus und hinterlässt im Fahrerbereich Blut“, weiß Hieß. Doch auch High-Tech-Fahrzeuge haben für die Kfz-Forensiker Vorteile. Denn mitunter wird abgestritten, dass ohne Freisprecheinrichtung telefoniert wurde. Mit StA-Anordnung können zwar Rufdaten über den Mobilfunkbetreiber eingeholt werden, diese geben jedoch keine Auskunft darüber, ob die Freisprecheinrichtung benutzt wurde. Das kann bei modernen Autos festgestellt werden. Elektronisch verstellbare Sitze geben Auskunft über Sitzposition und Gewicht des Fahrzeuginsassen.

Kfz-Forensik ist für kriminalpolizeiliche Erhebungen wie beim Kfz-Diebstahl unerlässlich. „So können wir bei sichergestellten Fahrzeugen die Vorgangsweise beim Diebstahl feststellen“, sagt Andreas Köck, stellvertretender Leiter der Soko Kfz. Gerade im Bereich der Kfz-Diebstähle wird nichts unversucht gelassen, um Spuren zu verschleiern. Motornummern werden unkenntlich gemacht oder verändert. Köck betont die gute Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt.

Die Experten der Abteilung C4 betreuen seit 2014 das EU-finanzierte-Projekt Fahrzeug-Forensik. Bei diesem werden moderne IT-Systeme zur Klärung von Straftaten untersucht. „In Zukunft werden uns Komfort-Pakete mancher Fahrzeughersteller, die für Unfälle gedacht sind, auch dienlich sein. Hier fehlen uns aber noch Erfahrungswerte“, sagt Köck.