Erstellt am 12. April 2016, 07:14

von Jutta Hahslinger

Flüchtlings-Betreuer klauten ganze Küche. Fußfesselträger dankte für Job in Freiheit, indem er mit Helfer, einem vorbestraften Sozialbetreuer, eine Profiküche stahl.

Sabir A. (l.) und Christoph P. (r.) müssen in Haft.  |  NOEN, Jutta Hahslinger

„Werden bei der Flüchtlingsbetreuungsfirma im Auftrag des Innenministeriums nur Vorbestrafte oder Fußfesselträger beschäftigt?“, schüttelt Richter Manfred Hohenecker verwundert den Kopf, als die beiden Angeklagten von ihren ehemals gut bezahlten Jobs in einer Flüchtlingsunterkunft, der Betreuungsstelle Magdeburg in Korneuburg, erzählen.

Der 28-jährige Fußfesselträger Christoph P. war dort als Haustechniker im Einsatz. Der staatenlose und mehrfach vorbestrafte Sabir A. (43) sollte sich als Sozialbetreuer um Asylanten kümmern. Als es im September vergangenen Jahres darum ging, die ehemalige Computerschule auszumisten und als Flüchtlingsunterkunft vorzubereiten, entsorgte das Duo neben tatsächlichem Mist auch gleich die Gastro-Küche im Wert von zumindest 62.000 Euro. Die Profiküche wurde abmontiert, abtransportiert und um 1.500 Euro verscherbelt. Dabei machte sich das Duo nicht einmal selbst die Hände schmutzig – es missbrauchte sechs ahnungslose Asylwerber zum Abbau.

Brauchte Geld für meine Drogensucht

„Wäre das Fehlen der Küche nicht aufgefallen?“, will der Richter wissen. Die dreiste Antwort: „Die Flüchtlinge brauchten die Küche eh nicht, das Essen wurde von einem Catering-Service angeliefert.“

„Ich brauchte Geld für meine Drogensucht“, gesteht P. unumwunden. Sabir A. legt ein eher zögerliches Geständnis ab. „Ich weiß erst jetzt, wie gut es mir gegangen ist“, seufzt er.

Die Einsicht kommt zu spät: Sabir A. wird zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Schlimmer die Konsequenzen für P.: ebenfalls 18 Monate unbedingt plus acht Monate aus einer widerrufenen Strafnachsicht. Rechtskräftig.