Update am 18. Juli 2017, 13:05

von APA Red

Terror-Prozess: Mehrtägige Verhandlung gestartet. Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag ein mehrtägiger Geschworenenprozess um Terrorismus-Vorwürfe in Krems begonnen.

Prozess am Landesgericht Krems  |  APA

Der Angeklagte war im Frühjahr 2016 nach Österreich eingereist, seine mit dem zweiten gemeinsamen Kind schwangere Ehefrau blieb in Gaza. Auf Tablet und Handy des 27-Jährigen wurden Chats mit den mutmaßlichen potenziellen Attentätern sichergestellt, etwa über die politische Zugehörigkeit. "Ich habe ihn gefragt, ob er Grün ist. Das bedeutet Hamas", berichtete der Beschuldigte laut Übersetzer.

Auf einen der beiden mutmaßlichen potenziellen Attentäter wurde der Angeklagte durch das Facebook-Profil aufmerksam, das den Mann in der Al Aqsa-Moschee in Jerusalem zeigte. Der 27-Jährige initiierte den Kontakt via Freundschaftsanfrage. Es folgten zahlreiche Nachrichten zwischen den beiden Männern über Facebook Messenger und WhatsApp, der Beschuldigte gab vor, das Studium der Militärwissenschaften und Scharia abgeschlossen zu haben. Auf Tablet und Handy wurden laut der Richterin Videos und Bilder u.a. zu Hamas und Munition sowie Kampfgesänge sichergestellt - diese hatten ihm Bekannte geschickt, meinte der 27-Jährige, der in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in U-Haft sitzt.

Hamas habe er während seiner neunjährigen Haft in Israel kennengelernt und sich dieser Gruppierung zugehörig gefühlt, gab der Angeklagte an. Zwei seiner Brüder seien Hamas-Mitglieder, einer der beiden sei umgebracht worden. Nach seiner Haftentlassung Mitte 2013 arbeitete der Angeklagte eigenen Angaben zufolge als Goldschmied und setzte sich dafür ein, den von Israel verhafteten Palästinensern zu helfen. Dadurch sei er auch in den Medien präsent gewesen.

Der Angeklagte berichtete, Informationen an seine als Journalistin tätige Frau weitergegeben zu haben, die diese im Internet veröffentlichte. Die Hamas habe ihn verdächtigt, mit den Israelis zu kooperieren, derartige Anschuldigen gebe es auch in den eigenen Reihen. Ende 2014 sei er deshalb von Vertretern der Organisation befragt worden. "Ich habe mich zurückgezogen und mich entschieden, das Land zu verlassen", meinte er laut Übersetzer.

Als Gründe für seine Ausreise nannte er seine Haft in Israel, Krieg und seine Erfahrung mit Hamas.In Einvernahmen während des Ermittlungsverfahrens hatte der Angeklagte unterschiedliche Versionen dazu erzählt, hielt ihm die vorsitzende Richterin vor. Unter anderem hatte der Mann berichtet, nach mehreren Befragungen aus Angst vor der Hamas ausgereist zu sein. Er sei verbal gefoltert worden, meinte der 27-Jährige dazu. Es seien weitere schriftliche Ladungen zu Befragungen durch die Hamas gefolgt, er habe um sein Leben gefürchtet. Nach rund einem Jahr an Planung und Vorbereitung war er Richtung Österreich ausgereist.