Erstellt am 21. April 2017, 12:20

von APA Red

Prozess um Drogenschmuggel: Drei Angeklagte. Wegen Suchtgiftschmuggels und -verkauf in großem Stil ist einem aus der Slowakei stammenden Trio - darunter Vater und Sohn - in Korneuburg der Prozess gemacht worden.

Gericht Korneuburg  |  Löwenstein

Die Angeklagten (46, 23 und 43) hatten laut Staatsanwaltschaft von NÖ aus mehrere Kilogramm Piko in der Slowakei abgesetzt. Die synthetische Droge, auch als Crystal Meth bekannt, sei höchst gefährlich, unterstrich die Anklägerin.

Es sei kein Geheimnis, dass Piko in der Slowakei hergestellt werde und Clans am Werk seien, erläuterte die Staatsanwältin den Schöffen. Die Beschuldigten hätten zuvor in ihrer Heimat gedealt und wegen dortiger Ermittlungen bzw. wohl auch aufgrund höherer Strafen als in Österreich ihre kriminellen Aktivitäten verlegt.

Der Erstangeklagte, geschieden, siebenfacher Vater, mietete im Vorjahr ein Haus im benachbarten Niederösterreich und zog vom Marchfeld aus das "Geschäft" mit seiner Lebensgefährtin auf. Als sich das Paar trennte, ging die Frau nach Bratislava zurück, blieb aber "Partnerin", indem sie von ihm Piko an- und zuhause weiterverkaufte. Zwei Söhne kamen nacheinander nach und verlagerten ebenfalls ihren Lebensmittelpunkt und ihre kriminelle Energie nach Österreich, sprach die Staatsanwältin von einer groß angelegten Aktion und Organisation. Auch der Drittangeklagte lebte im vergangenen Sommer in dem Haus.

Die Lieferanten des Mannes, der monatlich 5.000 Euro an Mieteinkünften einnimmt, seien inhaftiert bzw. schon rechtskräftig verurteilt. Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Telefone überwacht, am 17. November 2016 erfolgte der Zugriff mit Unterstützung des Einsatzkommandos Cobra.

Sohn fuhr jeden Tag hin und her

Der 46-Jährige war offenbar "Kopf" der Vereinigung, die Mitangeklagten fungierten als Kuriere. So fuhr der Sohn nahezu jeden Tag hin und her. Vor der Polizei hatte der 23-Jährige angegeben, auf seiner Runde über u.a. Hainburg vorwiegend in der Slowakei pro Tag zwischen 20 und 40 Gramm verkauft zu haben und sprach von 25 bis 30 Abnehmern. Der Grammpreis lag bei rund 25 Euro. Seine "Gage" und die des Drittangeklagten waren 1,50 bis 2,50 Euro pro Gramm.

Die Angeklagten waren laut ihren Verteidigern von Beginn an umfassend geständig und bekannten sich via Dolmetscherin heute auch schuldig. Allerdings versuchte vor allem der 46-Jährige die Menge herunter zu spielen. Er wäre gut beraten, nicht über ein halbes Kilo auf oder ab zu diskutieren, verwies der Richter darauf, dass die Annahme der Staatsanwältin hinsichtlich des Reinheitsgehalts - und damit der Netto-Menge - "überaus kulant" sei.

Der Beschuldigte habe in der Szene den Ruf des "größten Dealers" in Europa gehabt, verlas der Richter aus einer Aussage. Egal ob man fünf oder zehn Kilo brauche, bei ihm bekomme man alles, hatte der Zeuge demnach gemeint.