Erstellt am 22. März 2016, 05:54

von Gila Wohlmann

Gefährlicher Oster-Schnee. Gerade in der Tauzeit ist die Lawinengefahr groß. Für Tourengeher gibt es Prognosen.

Bei der Suche nach Verschütteten bilden die Bergretter eine Sondierkette. »Die ersten 15 Minuten sind für die Überlebenschancen entscheidend«, sagt Martin Gurdet, Landesleiter der Bergrettung NÖ.  |  NOEN, Sepp Egartner

Lawinen sind in alpinen Lagen eine lauernde Gefahr. Ein einziger Fehltritt kann sie auslösen. Und ihre Folgen können tödlich sein.

Um dem vorzubeugen, wird versucht, das Verhalten von Lawinen vorherzusagen. Die Prognostiker des NÖ Lawinenwarndienstes (LWD), darunter Physiker und Geographen, erstellen dazu täglich Lageberichte. Arnold Studereggers Büroalltag beginnt um 6 Uhr morgens: „Wir werten Schnee- und Wetterdaten aus und stehen in engem Kontakt mit den Lawinenkommissionen, Wettermeldern oder Bergbahnbetreibern“, schildert er.

Um 8 Uhr geht der Lawinenlagenbericht dann online und soll all jenen, die eine Tour in alpines Gelände planen, vorab Information über Schneebeschaffenheit und Wetterlage geben. Studeregger ist permanent selbst im Gelände unterwegs, um Lawinenerkundungen vorzunehmen. „Lawinenprognostiker erstellen Schneeprofile, machen Schneedeckenanalysen und unterstützen durch ihr geologisches und meteorologisches Fachwissen die Alpinpolizei bei Erhebungen nach Alpinunfällen in Verbindung mit Lawinen“, erläutert er.

Sonne und Wärme als gefährliche Mischung

„Oft reicht ein kleiner Fehltritt, um ein Schneebrett auszulösen“, sagt Studeregger. Auf der Rax, am Schneeberg und am Ötscher kommt es immer wieder zu Abgängen – viele verursacht durch Skitourengeher. „Die Triebschneesituation ist hierbei ausschlaggebend“, erklärt er. Denn beim Altschnee sind Schwachstellen an der Oberfläche oft schwer erkennbar.

Lawinenkommissionen werden aber auch angefordert, wenn Schneemassen Fahrbahnen blockieren.

Gibt es eigentlich so etwas wie optimale Bedingungen für Lawinen? „Es ist immer ein Zusammenspiel aus Wind, Temperatur und Schneebeschaffenheit“, weiß Studeregger. Gerade im Frühjahr ist das Zusammenspiel von Sonneneinstrahlung und Bodenerwärmung ein gefährlicher Parameter.

In Zeiten medialer Vernetzung steigen die Zugriffe auf die Homepage des Lawinenwarndienstes, der auch die Gratis-App „SnowSafe“ anbietet.

Doch warum gehen Freizeitsportler trotz aller Warnungen immer wieder Risiken ein? „Oft ist es eine Fehleinschätzung der reellen Gefahren und mangelnde Tourenvorbereitung“, weiß Michael Hochgerner, Leiter des Alpindienstes der Landespolizeidirektion NÖ. Martin Gurdet, Landesleiter der Bergrettung NÖ, appelliert an die gute Ausbildung im Vorfeld: „Alpine Vereine und Bergrettung bieten Kurse an.“ Von Alleingängen am Berg rät er ab. Und wer keine Schaufel, Sonde oder Lawinenverschüttetensuchgerät mit sich führt, sollte lieber gleich im Tal bleiben.


Daten & Fakten

  • Der NÖ Lawinenwarndienst beschränkte sich zunächst auf örtliche Lawinenkommissionen: ab 1976 in Göstling/Ybbs, ab 1984 in Annaberg und ab 2003 in Mitterbach.
  • 2006 wurde der operative Lawinenwarndienst als Angebot des Landes NÖ eingerichtet. Heuer feiert er zehnjähriges Jubiläum.
  • www.lawinenwarndienst-niederoesterreich.at