Erstellt am 22. April 2016, 15:02

von APA/Red

Lebenslange Haft Mann ersticht Lebensgefährtin. Wegen Mordes hat sich ein 52-Jähriger am Freitag in Korneuburg vor einem Schwurgericht verantworten müssen.

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Eine lebenslange Freiheitsstrafe haben Geschworene in Korneuburg am Freitag über einen 52-Jährigen verhängt, der Ende Oktober 2015 - wie er eingestand - in einem Abbruchhaus in Himberg seine Lebensgefährtin (46) nach einem Streit aus Eifersucht erstochen hatte. Das Urteil war einstimmig, ist aber nicht rechtskräftig: die Verteidigung kündigte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Nach den Ausführungen von Staatsanwältin Gudrun Bischof war der Angeklagte bereits in seiner Heimat wegen Mordes zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er seine damalige Lebensgefährtin erstochen hatte. 2007 wurde er entlassen und lernte das spätere zweite Opfer kennen.

Obdachlos in Österreich

Ab 2009 hatte das Paar, das kräftig dem Alkohol zusprach, obdachlos in Österreich gelebt - zunächst in verschiedenen Unterkünften, dann ab 2013 in Himberg. Dort wohnte zeitweise, wenn er nicht gerade in Haft war, auch ein Landsmann (Jahrgang 1981). Diesen trafen die beiden an jenem 30. Oktober 2015 am Bahnhof Speising wieder und willigten ein, ihn erneut aufzunehmen.

In Himberg angekommen, konsumierte das Trio gemeinsam Alkohol, dann verließ der Mann das Abbruchhaus wieder - und das Paar begann zu streiten. Der Angeklagte schlug der 45-Jährigen heftig ins Gesicht, und als sie später bereits im Bett lag, stach er mit einem Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge wuchtig zu. Der für das Opfer völlig überraschende Stich in die Brust durchstieß eine Rippe und eröffnete den Herzbeutel.

Die Frau verblutete - sie wäre aber laut Sachverständigengutachten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu retten gewesen, wenn der Mann die Rettung gerufen hätte, betonte die Anklägerin. Stattdessen schleifte der Mann den reglosen Körper durch den Gang und versteckte ihn im Vorraum zur Toilette.

Keine Kontrolle über sich

Zwei Tage später verließ der Angeklagte das Haus und hielt sich in Wien auf, ehe er am 5. November der Polizei anzeigte, seine Lebensgefährtin tot aufgefunden zu haben. Er gab weiters einen festgestellten Gelddiebstahl vor, verstrickte sich aber bei seiner Einvernahme in Widersprüche und wurde als Tatverdächtiger festgenommen.

Laut Bischof war der Mann zurechnungsfähig. Er habe die Tat bisher abgeschwächt, indem er aussagte, er habe sie nur verletzen wollen aus Zorn, weil sie mit dem Landsmann Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Nach den Worten seines Verteidigers war sein Mandant über die Untreue seiner Lebensgefährtin wütend und hatte keine Kontrolle mehr über sich.

Gutachter Werner Brosch beschrieb den 52-Jährigen als alkoholabhängig, psychiatrisch unauffällig, emotional instabil und frustrationsintolerant, mit einer kombinierten, aber nicht gravierenden Persönlichkeitsstörung. Der Sachverständige attestierte dem Beschuldigten - auch im Wissen um die vorangegangene gleich gelagerte Tat - im Zusammenspiel von Wut und Alkohol eine höhere Gefährlichkeitsprognose als durchschnittlich. Vom Berauschungsgrad her sei der Mann, der keine Erinnerungslücken habe, zurechnungsfähig.