Erstellt am 13. März 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Neffentrick: Der hinterhältige Verwandte. Die Vorfälle häufen sich. Betrüger nutzen die Gutgläubigkeit von Senioren aus, um an deren Erspartes zu kommen und sind erfolgreich. Polizei warnt vor dem Neffen- und Nichtentrick.

Senioren - Symbolfoto  |  NOEN, www.Shutterstock.com/dbdavidova
Das Telefon läutet. Beim Abheben meldet sich ein Verwandter an der Leitung. Irgendwie klingt dieser aber heute fremd. Zumeist beginnt so ein Telefonat. Wenn der Angerufene zögernd reagiert, erwidert der Anrufer mit den Worten: „Ja, kennst du mich denn nicht mehr?“ Und wenn dann der Angerufene freundlich reagiert, nimmt der Betrugsakt seinen Lauf.

„Der Neffen-/Nichtentrick ist seit Jahren immer wieder – leider erfolgreich – allgegenwärtig.“ Das bestätigt Johann Baumschlager, Sprecher der Landespolizeidirektion Niederösterreich.

„Der vermeintliche Verwandte gibt an, in einer
finanziellen Notlage zu sein und dringend Geld
wie für einen Wohnungskauf zu benötigen.“
Johann Baumschlager, Polizeisprecher

Auch heuer gab es bereits mehrere Vorfälle, so auch im Bezirk Krems. Am 14. Jänner 2016 rief ein bisher unbekannter Täter bei insgesamt sieben Senioren – Männern wie Frauen – im Stadtgemeindegebiet von Krems an der Donau an und gab sich am Telefon als Verwandter bzw. Bekannter aus.

Dabei wurde von dem unbekannten Täter, der deutschen Akzent sprach, angegeben, dass er bei einem Rechtsanwalt sitze und für den Erwerb einer Liegenschaft Geld benötige, das er derzeit nicht zur Verfügung habe. „Die jeweiligen Opfer wurden ersucht, einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung zu stellen, wobei eine entsprechende Rückzahlung zugesagt wurde“, berichtet Baumschlager über die Vorgehensweise des Kriminellen.

Senioren erleiden Tausende Euro Schaden

In einem Fall übergab eine 85-jährige Frau einem bisher Unbekannten mehrere Tausend Euro. „Diese Fälle sind leider kein Einzelfall“, weiß Baumschlager. Jährlich erleiden bundesweit gutgläubige Senioren etliche Tausend Euro Schaden, ihr mühsam Erspartes ist zumeist für immer verloren.

„Diese Täter suchen sich zumeist gezielt aus dem Telefonbuch alt klingende Namen mit Festnetznummern aus und rufen dann an“, erklärt der Polizist. Warum diese Betrugsmasche so gut funktioniert, ist für ihn leicht erklärt: „Diese Täter appellieren an das schlechte Gewissen der Senioren und geben sich erbost, wenn diese nicht gleich den verloren geglaubten Verwandten wiedererkennen.“

Oft genannter Grund: Ein Wohnungskauf

Und der oder die Seniorin ist oft zu vertrauensselig und glaubt nun wirklich an die Existenz des Verwandten. Nächster Schritt ist dann die Forderung. „Der vermeintliche Verwandte gibt an, in einer finanziellen Notlage zu sein und dringend Geld wie für einen Wohnungskauf zu benötigen“, sagt Baumschlager.

Dann wird der Senior aufgefordert, das Geld von der Bank zu beheben. Der Verwandte kann aber dann plötzlich das Geld nicht selber übernehmen – ein Vorwand, um nicht vielleicht doch als Betrüger – Angesicht zu Angesicht – entlarvt zu werden. „Allerspätestens dann sollten alle Alarmglocken schrillen und kein Geld übergeben werden“, warnt Baumschlager.

Insbesondere appelliert er hier an „echte“ Angehörige von Senioren, wenn diese mitbekommen, dass ihr Verwandter plötzlich so viel Geld braucht, mit diesem dies gemeinsam zu hinterfragen.
Ebenso bittet er Bankbeamte, wenn Stammkunden plötzlich unerwartet so viel Geld beheben wollen, diesen Schritt gemeinsam mit dem Kunden zu besprechen. Denn wenn erst einmal das Geld übergeben ist, sind beide fort: der liebe Verwandte und das gesamte Geld. Was zurückbleibt, ist seelische und finanzielle Leere.

Tipps der Polizei gegen Neffen-/Nichtentrick

  • Brechen Sie Telefonate, bei denen von Ihnen Geldaushilfen gefordert werden, sofort ab.

  • Lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein und machen Sie Ihrem Gegenüber entschieden klar, dass Sie auf keine der Forderungen oder Angebote eingehen werden.

  • Personen, die es sich zutrauen, werden ersucht, zum Schein auf die Forderungen der Anrufer einzugehen und die Polizei zu verständigen, um dieser den Zugriff auf diese Täter zu ermöglichen.

  • Kontaktieren Sie den „vermeintlichen“ Verwandten, indem Sie ihn unter jener Telefonnummer zurückrufen, die Sie sonst auch verwenden. Bestehen Sie auf ein persönliches Treffen; nicht mit einer „Vertretung“ zufrieden geben.

  • Lassen Sie in Ihr Haus niemanden, den Sie nicht kennen.

  • Verwenden Sie zur Kontaktaufnahme mit solchen Personen die Gegensprechanlage oder verwenden Sie die Türsicherungskette bzw. den Türsicherungsbügel.

  • Versuchen Sie, sich das Aussehen der Person einzuprägen.

  • Notieren Sie sich – soferne möglich – Autokennzeichen und Marke, Type sowie Farbe eines vermutlichen Täterfahrzeuges.

  • Erstatten Sie sofort Anzeige über den Notruf 133.