Erstellt am 14. September 2015, 09:51

von Gila Wohlmann

Neue Fußfessel-Pläne. Fünf Jahre nach der Einführung sieht Justiz bessere Resozialisierung; jetzt sollen mehr Straftäter in den überwachten Hausarrest.

Der elektronisch überwachte Hausarrest spart Kosten im Strafvollzug.  |  NOEN, APA/Techt

Seit September 2010 gibt es in Österreich den elektronisch überwachten Hausarrest, 3.200 Personen haben bislang bundesweit ihre Haftstrafe mittels Fußfessel verbüßt. Derzeit gibt es 44 Fußfesselträger in NÖ, 446 Straftäter gesamt hatten bis dato in NÖ eine Fußfessel. Bundesweit sind aktuell 490 Personen im elektronisch überwachten Hausarrest.

Generaldirektion zieht eine positive Bilanz

Die Generaldirektion für den Strafvollzug zieht nach fünf Jahren positive Bilanz. „Wir sind mit dieser Vollzugsform sehr zufrieden“, sagt Sprecher Josef Schmoll, denn die Fußfessel bringe viele Vorteile: „Der Verurteilte bleibt in seinem gewohnten Umfeld und verliert nicht seine Arbeit. Die Resozialisierung gestaltet sich einfacher als nach einem Gefängnisaufenthalt.“

Doch nicht nur für viele Verurteilte, auch für die Justiz liegen die positiven Effekte auf der Hand. „Die Gefängnisse werden entlastet, Ausgaben gespart. Während ein Tag im Gefängnis 110 Euro kostet, sind es beim elektronisch überwachten Hausarrest nur 18 Euro“, erläutert Schmoll. Eine Fußfessel bekommt nicht jeder, besonders rigoros ist die Justiz bei Sexualstraftätern. So darf die Haftstrafe (bzw. die noch abzusitzende Strafe) nicht über zwölf Monate betragen, der Verurteilte muss über eine geeignete Wohnung verfügen, Arbeit haben.

Personen, die im gemeinsamen Haushalt leben, müssen einverstanden sein. Erich Mayer, Generaldirektor für den Strafvollzug, plädiert für eine Ausdehnung der Maßnahme auf Haftstrafen von derzeit zwölf auf 18 Monate. „In anderen Ländern wird dies erfolgreich umgesetzt“, bestätigt Schmoll.

Missbräuche gibt es nur wenige

Missbräuche des elektronischen überwachten Hausarrests gibt es nur wenige. Hauptgrund für den Entzug sind Job- oder Wohnungsverlust, aber auch Alkoholmissbrauch oder Nichteinhalten des Zeitplans. Selten, aber doch, geben Straftäter die Fußfessel freiwillig zurück. „Es gab schon Fälle, wo die Strafhaft wieder vorgezogen wurde, weil der Betroffene sich in der Justizanstalt wohler fühlte als zu Hause“, schmunzelt Schmoll.