Erstellt am 09. Januar 2016, 23:26

von APA/Red

Niederösterreicher bei Angriff in Hurghada verletzt. Bei einem Angriff auf ein Hotel in dem ägyptischen Badeort Hurghada sind am Freitag zwei Niederösterreicher aus dem Bezirk Wien-Umgebung verletzt worden.

 |  NOEN, APA

Am Tag nach dem Angriff auf ein Hotel in dem ägyptischen Ferienort Hurghada, bei dem ein niederösterreichisches Ehepaar aus dem Bezirk Wien-Umgebung verletzt wurde, sind die Hintergründe der Tat weiterhin unklar. Der ägyptische Tourismusminister Hicham Zazou vermutete Amateure am Werk. Am Nachmittag traf ein österreichisches Botschaftsteam in Hurghada ein, um die Sicherheitslage genau zu untersuchen.

Am Freitagabend drangen zwei junge Männer in ein an der Straße gelegenes Restaurant des Hotels Bella Vista ein und gingen mit Messern auf Touristen los. Augenzeugen berichteten, sie hätten versucht, die Urlauber zu töten. Sicherheitskräfte erschossen einen der beiden Angreifer - einen 21-jährigen ägyptischen Studenten - und verletzten den zweiten schwer. Eine Videoaufnahme im Internet zeigte einen Mann mit Verletzungen am Bein.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Unklar war, ob die Täter auf eigene Faust handelten oder mit einer Terrorgruppe verbunden waren. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die Verantwortung für zahlreiche Attentate in Ägypten übernommen. Sie will auch im Oktober ein russisches Passagierflugzeug über dem Sinai mit einer Bombe zum Absturz gebracht haben. 224 Menschen starben damals. Der IS hat vor allem im Norden des Sinais seine Hochburg.

Angriff von Amateuren?

"Sie haben Messer benutzt. Wenn jemand eine wirklich schreckliche Tat begehen möchte, verwendet er nicht nur Messer", sagte Zazou laut der Nachrichtenagentur AFP am Samstag und legte damit nahe, dass der Angriff von Amateuren begangen worden war.

Wie der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, mitteilte, wird das Team der österreichischen Botschaft in Kairo das Ehepaar betreuen. Die Frau erlitt bei dem Angriff eine Schnittwunde am Rücken, der Mann wurde ebenfalls leicht verletzt und konnte bereits am Freitagabend wieder aus der ärztlichen Behandlung entlassen werden.

"Sehr positive Signale" von Opfern

Grundsätzlich habe man in einem Telefonat diesbezüglich "sehr positive Signale" erhalten, so Schnöll. Berichte, wonach auch die Tochter des Ehepaars bei dem Angriff in dem Hotel gewesen sein soll, konnte Schnöll nicht bestätigen: "Darüber wissen wir nichts." Bei dem dritten Verletzten handelt es sich um einen Schweden.

Neben der Versorgung der Verletzten will sich das Botschaftsteam auch der Betreuung verunsicherter Urlauber widmen - also logistische Unterstützung für Österreicher anbieten, die "allenfalls ausfliegen wollen", erklärte Schnöll. Derzeit sind rund 600 österreichische Touristen in Hurghada registriert. Das Außenministerium geht aber davon aus, dass sich in der gesamten Region rund um das Rote Meer derzeit bis zu 1.300 österreichische Staatsbürger aufhalten.

Der Bereitschaftsdienst im Außenministerium sei aufgestockt worden, um Fragen beantworten und die Österreicher bestmöglich servicieren zu können, ließ Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), der sich derzeit im Libanon aufhält, wissen. Er wolle "weder dramatisieren noch verharmlosen". Aber es sei ein Anschlag gewesen und diesen müsse man ernst nehmen, so Kurz.

"Erhöhtes Risiko" im ganzen Land

Das Außenministerium will sich nach dem Anschlag auf das Hotel Bella Vista in dem Badeort am Roten Meer auch ein "umfassendes Gesamtbild über die Sicherheitslage und den Tathergang" machen. Auf Basis dessen könnte in der Folge eine Erhöhung der Sicherheitsstufe für Ägypten-Reisende erfolgen. Derzeit gibt es für den Nordsinai und die Saharagebiete an den Grenzen zu Libyen und zum Sudan eine Reisewarnung. Im ganzen Land bestehe jedoch "erhöhtes Risiko von Terroranschlägen" - auch an Touristenzielen.

Urlauber werden zu "umsichtigem" Verhalten aufgerufen, die Tourismuszonen sollen nicht verlassen werden. Für dringende Anfragen, vor allem im Zusammenhang mit einem Reiseantritt, hat das Ministerium die Telefonnummer: 0501150 4411 angegeben. Ägypten-Reisenden wird eine Reiseregistrierung ausdrücklich empfohlen.

Ausflugsprogramm in Ägypten abgesagt

Der Reiseveranstalter TUI berichtete auf Anfrage, dass es bisher nur "vereinzelt" Anfragen bezüglich vorzeitiger Rückreise gebe. Werde dies jedoch gewünscht, könne dies mithilfe des TUI-Teams an Ort und Stelle organisiert werden - ohne zusätzliche Kosten, sagte TUI-Sprecherin Kathrin Limpel. Ansonsten gelten die normalen Umbuchungs- und Stornobedingungen, eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung für geplante Ägypten-Reisen ist nicht geplant. Als Vorsichtsmaßnahme hat TUI jedoch - zunächst bis Ende Jänner - das komplette Ausflugsprogramm in Ägypten abgesagt.

Für Ägyptens ohnehin arg gebeutelte Tourismusbranche bedeutet der Angriff einen erneuten Rückschlag.

Im Westen von Kairo erschossen Unbekannte unterdessen einen Offizier der Verkehrspolizei und einen Rekruten. Die beiden Opfer waren in einem Wagen auf dem Weg zur Arbeit, als das Feuer auf sie eröffnet wurde, wie das ägyptische Innenministerium am Samstag mitteilte. Zu den Tätern gab es keine weiteren Angaben.

Im Februar jährt sich zum fünften Mal der Sturz von Langzeitherrscher Husni Mubarak. Seitdem ist Ägypten kaum zur Ruhe gekommen.