Erstellt am 02. Februar 2016, 07:28

von Eva Hinterer

Weg vom „Bunker-Image“. Neuer Vorstand will den Verein modernisieren und die Eigenverantwortung forcieren.

Alt-Präsident Johann Hofbauer, sein Nachfolger Christoph Kainz und der politisch zuständige Landesrat Stephan Pernkopf.  |  NOEN, Eva Schimmer

Neuer Präsident, neue Strukturen, neues Image: Das ist kurz gefasst das Ergebnis der Generalversammlung des NÖ Zivilschutzverbandes (NÖZSV) vom vergangenen Freitag.

Mit der Ablöse des seit sieben Jahren im Amt befindlichen Präsidenten Johann Hofbauer durch Christoph Kainz soll eine neue Ära eingeläutet werden. Der Verein vom leicht angestaubten Image befreit werden. Die Aufgaben bleiben dieselben, sollen aber mit mehr Vehemenz verfolgt werden. Der Zivilschutzverband ist eine Serviceeinrichtung mit dem Ziel, die Bürger zur Eigenvorsorge zu motivieren. Ob Hochwasser, Blackout, Brandbekämpfung, Störfälle in Kernkraftwerken etc. – die Menschen sollen wissen, wie im Ernstfall zu handeln ist.

Am stärksten ins Bewusstsein gerückt hat sich der NÖZSV in den vergangenen zehn Jahren durch den Zivilschutzalarm, bei dem jeden ersten Samstag im Oktober sämtliche Sirenen im Land aktiviert werden. „Diesen Samstag wollen wir künftig nützen, um auf jedem Hauptplatz in jeder Gemeinde eine Stunde lang unsere Themen zu vermitteln“, sagt der am Freitag gewählte Präsident Christoph Kainz. Beginnen soll das, so der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister der Badener Gemeinde Pfaffstätten, bereits 2016.

„Gehen in Richtung Vollkaskogesellschaft“

Neu ist auch, dass es ab sofort jährlich einen Themenschwerpunkt geben wird. In den eineinhalb Jahren, die Kainz schon verstärkt im Verband mitgearbeitet hat, war dies das Thema „Blackout“. Landauf, landab tourten NÖZSV-Mitarbeiter, um in zahlreichen Veranstaltungen die Menschen darin zu schulen, was bei einem länger anhaltenden Stromausfall zu tun ist. Und wie man sich darauf vorbereiten kann. „Der NÖ Zivilschutzverband ist vor knapp 55 Jahren gegründet worden. Zur Zeit des Kalten Krieges, wo in jeder Bauordnung ein Schutzraum für drohende atomare Gefahren vorgesehen war. Heute haben wir nicht weniger, aber völlig andere Problemstellungen“, sagt Kainz. Daher wolle man weg vom „Image der Bunkerbauer“ hin zu aktuellen Themen: Kainz nennt das immer heftiger auftretende Phänomen Starkregen, wo man den Menschen etwa zeigen müsse, wie die Kellerfenster richtig abzuschotten sind; bis hin zur Information über eine gut ausgestattete Hausapotheke.

„Wir gehen heute in Richtung Vollkaskogesellschaft“, sagt Kainz, „wenn etwas passiert, sollen sich andere darum kümmern.“ Aber, und das sei Kernaufgabe des Zivilschutzverbandes, es soll verstärkt Eigenvorsorge getroffen werden. Die Menschen müssten sich verantwortlich fühlen. „Hier müssen wir mit unseren Partnern in die Breite gehen.“ Diese Partner sind neben der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und dem Samariterbund auch das Bundesheer. In den kommenden vier Jahren seiner Funktionsperiode will Kainz durch starke Öffentlichkeitsarbeit aufhorchen lassen: „Wir müssen die Bürger für uns gewinnen.“


Der NÖZSV

  • Der NÖZSV informiert und schult Gemeinden und Bevölkerung zum Thema Selbstschutz.

  • Am 29. Jänner 2016 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Präsident Christoph Kainz, die Vizepräsidenten und Landtagsabgeordneten Karl Bader und Alfredo Rosenmair sowie weitere elf Mitglieder des Landesvorstandes.

  • Mit Norbert Hauser gibt es erstmals einen operativen Geschäftsführer.

  • Der NÖZSV hat neun hauptamtliche (davon drei in Altersteilzeit) und rund 1.200 ehrenamtliche Mitglieder.

  • Für die fünf Regionen in NÖ gibt es neben den Bezirksleitern jeweils einen Regionalleiter.

  • Seit 2010 werden auch Gemeinden in Katastrophenvorsorge geschult. In den Kommunen gibt es jeweils einen Zivilschutzbeauftragten bzw. einen zuständigen Gemeinderat.

  • Dotiert ist der NÖZSV mit rund 460.000 Euro Förderung des Landes sowie rund 220.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen der Gemeinden (berechnet nach Einwohnerschlüssel).

  • Info: www.noezsv.at