Erstellt am 14. November 2015, 15:31

Paris-Terror: Sicherheitsmaßnahmen in Österreich erhöht. Die österreichischen Behörden haben in einer ersten Reaktion auf die Angriffe in Paris die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen präventiv erhöht.

 |  NOEN, APA (Symbolbild)

Das Innenministerium in Wien hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Anschläge in Paris die Ausweitung der Sicherheitsvorkehrungen für potenziell gefährdete Einrichtungen in Österreich veranlasst. "Eingebunden sind alle Stellen, die von Bedeutung sind", sagte Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck am Samstagvormittag.

Die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen betreffen im Besonderen französische Einrichtungen und internationale Organisationen und die aktuellen Syrien-Gespräche, die im Wiener Hotel Imperial stattfinden. Eingebunden sei unter anderem das Einsatzkommando Cobra, sagte Grundböck.

"Manche Sicherheitsvorkehrungen sind sichtbar, manche sind nicht sichtbar", fügte der Ministeriumssprecher hinzu. Konkrete Angaben dazu machte er nicht.

Das österreichische Außenministerium hat Samstagnacht einen Bereitschaftsdienst für Anfragen zu den Terroranschlägen in Paris eingerichtet. Angehörige, die sich darüber informieren möchten, ob Familienmitglieder oder Freunde von den Angriffen betroffen sein könnten, können sich unter der Telefonnummer 0501150-4411 an das Ministerium wenden.

Krisenstab im Außenministerium und Sondersitzung

Das offizielle Österreich hat mit Bestürzung und Betroffenheit auf die Terrorakte von Paris reagiert, zugleich wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und für Samstagnachmittag eine Sondersitzung der Regierung angesetzt. Trotz aller Bemühungen sei ein Restrisiko für Terroranschläge in Österreich aber nicht auszuschließen, machte BVT-Direktor Peter Gridling klar.

Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich ebenso wie sämtliche politischen Parteien "tief erschüttert und entsetzt". "Ich drücke dem französischen Volk und insbesondere den Angehörigen der Opfer meine tief empfundene Anteilnahme aus."

In diesem Sinne äußerten sich auch die christlichen Kirchen. "Wir alle sind gefordert, dem menschenverachtenden Terrorismus durch ein festes gesamtgesellschaftliches Zusammenstehen und Zusammenwirken zu begegnen", hieß es in der Stellungnahme der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) zeigte sich in einer ersten Stellungnahme "schwer erschüttert", Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) "schockiert und betroffen". Alle drei sicherten Frankreich Solidarität zu.

"Gemeinsam gegen den Terror"

"Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Opfern und deren Angehörigen", so Faymann in einer Aussendung. "Die internationale Gemeinschaft muss jetzt zusammenstehen, gemeinsam gegen den Terror." Mitterlehner reagierte via Twitter und betonte dort: "Stehen an Seite Frankreichs." Er sei "in Gedanken bei den Opfern, ihren Angehörigen & Freunden". Kurz erklärte sich in einer ersten Reaktion "tief schockiert". Kurz drückte Frankreich seine Solidarität aus, wie ein Sprecher in der Nacht auf Samstag mitteilte.

Eva Glawischnig, Klubobfrau und Bundessprecherin der Grünen, war "schockiert, entsetzt und tief betroffen über die Terroranschläge in Paris. Zutiefst erschüttert zeigte sich auch FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache. "Ich hoffe, dass die französischen Behörden alle Hintergründe aufklären und alle Mittäter dingfest machen können und dass es ihnen gelingt, künftige Terroranschläge zu verhindern", so Strache. Die entsetzlichen Ereignisse in Paris hätten gezeigt, wie verletzlich unsere Gesellschaft sei.

Restrisiko für Terroranschläge nicht auszuschließen

Mit rund 250 Personen in Österreich, die sich zum bewaffneten Jihad bekennen, sei auch ein Restrisiko für Terroranschläge in Österreich nicht auszuschließen, meinte der Direktor des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling, am Samstag im Ö1-Mittagsjournal. Man könne diese Menschen nicht rund um die Uhr bewachen, sondern müsse Schwerpunkte setzen.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bot Paris Unterstützung an. "Unter anderem steht ein Einsatzzug und damit 20 Mann der österreichischen Polizei-Sondereinheit Cobra ab sofort zur Unterstützung der französischen Sondereinheiten zur Verfügung." Ihr Amtskollege Bernard Cazeneuve sei bereits informiert.

Flaggen auf Halbmast

Seit 10.00 Uhr wehten am Samstag die Flaggen vor der Präsidentschaftskanzlei, dem Parlament, dem Bundeskanzleramt und dem Außenamt auf halbmast. Angesichts des Terror-Angriffs in Paris wurde die französische Schule in Wien geschlossen. Auswirkungen hat dies vor allem auf die Matura-Vorbereitungsprüfung, die für den Vormittag angesetzt war.

Die Schüler standen in der Früh vor verschlossenen Türen, ein Aufseher wies sie an, nach Hause zu gehen. Abgesagt wurde die traditionelle Illuminierung des Christbaums durch Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) vor dem Wiener Rathaus. Die Stände des Christkindlmarkts hatten jedoch geöffnet.

Keine Einschränkungen gab es für den internationalen Luft- und Bahnverkehr. Laut Flughafen Wien-Sprecher Peter Kleemann wurden keine Flüge von oder nach Frankreich abgesagt. Laut ÖBB verkehrten auch die Züge normal. Allerdings boten AUA und Niki an, Flüge nach Paris auf Wunsch umzubuchen.

Österreichisches Opfer ist 20-jähriger Tiroler

Seit dem Terroranschlag in Paris ist der kleine Tiroler Ort Tarrenz (Bezirk Imst) voll der Sorge um einen jungen Gemeindebürger: Der 20-Jährige erlitt eine schwere Schussverletzung und wird in Frankreich behandelt. Der Vater und ein Arzt machten sich noch in der Nacht auf den Weg nach Frankreich, um dem Opfer zur Seite zu stehen, bestätigte der Bürgermeister von Tarrenz.

Rudolf Köll, Bürgermeister der 2.700-Einwohner-Gemeinde im Tiroler Oberland ist geschockt: "Ich kenne das Opfer gut. Schließlich hat der junge Mann in der Gemeinde auch als Zivildiener im Pflegeheim gearbeitet." Dieser sei ein extrem sozialer Mensch und hervorragender Musiker. Er spielt als Gitarrist in einer Band.

Köll wurde Samstag früh informiert, dass einer seiner Gemeindebürger unter den Verletzten der Pariser Terrorangriffe sei. Zu diesem Zeitpunkt war der Vater des Opfers schon längst auf dem Weg nach Frankreich. Gemeinsam mit einem Arzt der Imster Privatklinik Medalp - einem Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie - will er sich selbst um seinen Sohn kümmern. Die heimischen Behörden sind über die Reise informiert. Der 20-jährige Tiroler soll bei dem Anschlag einen Bauchschuss erlitten haben.

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