Erstellt am 10. Oktober 2016, 12:17

von NÖN Redaktion

Ein Ohr für die Kollegen nach Tragödien. Nach dem Freitod eines Mannes in Korneuburg vor den Augen von Polizisten, wurden die Beamten psychologisch betreut.

Die Polizei nahm den Verdächtigen fest  |  APA (Symbolbild)

Ausnahmesituation für mehrere Polizeibeamte am Mittwoch in Spillern. Ein Korneuburger, der zuvor seiner Ex-Gattin seinen Freitod angekündigt hat, verschanzt sich vor der Polizei in seinem Wagen. Aufforderungen, auszusteigen, kommt er nicht nach. Der Bewaffnete steigt indes aufs Gas, prallt gegen eine Mauer und richtet sich vor den Augen der Polizisten.

„Das bedeutet eine Höchststresssituation, auch für erfahrene Beamte“, weiß Oliver Wilhelm, Koordinator für den Peer-Support-Dienst der NÖ Polizei. Dieser kann von Beamten freiwillig nach erschütternden Ereignissen im Dienst, sei es nun ein Schusswaffengebrauch, ein Suizid oder ein Einsatz mit einem toten Kind in Anspruch genommen werden.

Hochstress lässt nach 24 Stunden nach

Wilhelm: „Die Reaktionen nach solchen Ereignissen sind unterschiedlich und reichen von Schuldgefühlen, Wiedererleben des Ereignisses, Schlafstörungen über Reizbarkeit bis hin zur Todesangst. Rund 24 Stunden dauert es, bis der Hochstress nachlässt, weshalb – nach der Erstintervention – das zweite Gespräch durch die Peers, psychologisch geschulten Polizisten, 24 bis 48 Stunden nach dem Anlass angeboten wird.“ Einer der herausragendsten Einsätze, wo Peers wichtige Arbeit leisteten, war die Tragödie in Annaberg mit vier Toten, darunter drei Polizisten.