Erstellt am 23. Februar 2016, 05:39

von Gila Wohlmann

Jobchancen in luftigen Höhen. Ob Hochwasser, Waldbrand oder Auslandsmission: Bundesheer sucht Fliegertaugliche für Flotte.

Der Steirer Florian Aigner (l.) und Patrick Forstner aus Sieghartskirchen machen derzeit die Militärpilotenausbildung am Fliegerhorst in Langenlebarn.  |  NOEN, Gila Wohlmann
Und da war es wieder einer weniger. Die Zahl jener Soldaten, die in Niederösterreich die Ausbildung zum Militärpiloten machen, sinkt. Im letzten Jahr wurden, nach mehrjähriger Unterbrechung, nur zwei Hubschrauberpiloten in Langenlebarn ausgebildet und auch nur wenige Flächenpiloten in Zeltweg geschult.

Erst mit Jahresbeginn sind wieder drei neue Anwärter dazugekommen, die mit der fliegerischen Grundausbildung begonnen haben. „Diese Anzahl reicht nicht aus, um den jetzigen Stand zu halten“, betont Günter Schiefert, Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule am Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn. Derzeit gibt es 47 aktive und fünf Stabpiloten in NÖ.

Image des Heeres hat gelitten

Doch woran liegt es, dass Militärpilot kein Traumjob mehr ist? „Das Image des Heeres und damit auch das der Heerespiloten hat in den letzten Jahren leider gelitten!“ Da geben sich Kommandant Schiefert und Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, einhellig. „Wir haben in Zusammenhang mit den Einsparungen vermittelt: Wir brauchen niemanden. Dem ist aber nicht so“, sagt Schiefert. Doch der Nachwuchs an fliegertauglichen Männern wie Frauen fehlt. Seit rund einem Jahr zeichne sich, fügt Bauer hinzu, das Problem ab.

Verpflichtung auf zehn Jahre als Hürde

Er ortet im mangelnden Interesse eine Grundeinstellung der Jugend. „Viele wollen sich nicht für ein ganzes Leben entscheiden; der Militärpilot hat zumindest eine Verpflichtung auf zehn Jahre, denn diese Ausbildung kostet ja auch sehr viel.“ Weiters spiele aus gesellschaftlicher Sicht auf jeden Fall die „Work-Life-Balance“ vieler Jugendlicher eine Rolle. „Manche möchten lieber ihr Leben leben oder trauen sich das gar nicht zu“, glaubt Bauer.

Körperliche und psychische Fitness gefragt

Die Militärpilotenausbildung erfordert ein Höchstmaß an körperlicher und psychischer Fitness. Von 100 Anwärtern schafft es durchschnittlich einer. „Die meisten scheitern schon an der psychischen Komponente“, merkt Schiefert und erklärt: „Man muss multitasking-fähig sein, räumliches Denken haben, Teamgeist, herausfordernde Aufgaben in Stresssituationen bewältigen.“

Ein Stolperstein kann aber auch das Fliegen selbst sein: „Ein Pilot muss sich im dreidimensionalen Raum wohlfühlen. Manchen wird beim Kunstfliegen schlecht“, weiß Schiefert. Reale Flugstunden, ob am Hubschrauber, im Flächenflugzeug oder im Jet sind sehr teuer. „Und wir wurden in den letzten Jahren praktisch zu Tode gespart“, bedauert Schiefert.

Neue Dienstverträge sind weniger attraktiv

Die neuen Dienstverträge seit dem Vorjahr sind weniger attraktiv und beinhalten eine Altersbeschränkung bis 53 Jahre. Viele Piloten haben im Vorjahr den Dienst beim Heer quittiert, um in die Zivil-Luftfahrt zu wechseln. Doch das sei „nie vergleichbar“. „Militärpilot ist ein unvergleichlicher Top-Job mit einzigartigen Möglichkeiten.“

Die Luftflotte wird immer wieder gebraucht, sei es bei Hochwasser, Waldbränden, für Erkundungsflüge oder im Ausland. Mittels offensiver Werbestrategien über Youtube und soziale Netzwerke sollen jetzt Piloten angeworben werden.

Zur Ausbildung

  • Pflichtschulabschluss oder Reifeprüfung (Eurofighterpiloten)
  • Wertungsziffer 7 (körperliche Tauglichkeit – geht bis Stufe 9)
  • Einwandfreier Leumund
  • Das 23. Lebensjahr darf zu Beginn der praktischen fliegerischen Eignungsfeststellung noch nicht vollendet sein.
  • Einjähriger Freiwilligenkurs, Teil 1, und Vorbereitungsseminar an der Theresianischen Militärakademie (für Eurofighterpiloten vor Beginn der praktischen Eignungsfeststellung)
  • Abgeschlossene Basisausbildung 1 & 2 bei der Truppe; für Hubschrauberpilotinnen vor Beginn der praktischen, fliegerischen Eignungsfeststellung Freiwilligenmeldung zum Ausbildungsdienst (mit der Möglichkeit der jederzeitigen Zurückziehung)
  • Militärtauglichkeit:  Farbtauglichkeit, Körpergröße 162 Zentimeter bis 193 Zentimeter, Gewicht höchstens 95 Kilogramm und mindestens 56 Kilogramm.
  • Für Brillen- & Kontaktlinsenträger: korrigierter Visus bis -2 Dioptrien Astigmatismus von maximal 0,5 Dioptrien
  • Zur Ausbildung: Infos unter  pilot.bundesheer.at