Erstellt am 08. März 2016, 05:49

von Jutta Hahslinger

„Polizisten zeigten wenig Einsatzfreude“. Erst flog Gärtner Radkappe von Zickzackfahrer an Kopf, dann musste er Polizei nachjagen und bekam zu guter Letzt selbst Anzeige.

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Den Arbeitseinsatz in Heidenreichstein im Sommer vergangenen Jahres wird ein Landschaftsgärtner (29) aus der Region Herzogenburg nicht so schnell vergessen: „Wir waren an der Arbeit, als sich ein roter Polo im Zickzackkurs näherte, gegen den Randstein krachte und mir eine Radkappe an den Kopf flog. Der Fahrer fuhr einfach weiter. Dann stoppte er zum Reifenwechsel. Wir wollten den Vorfall der Polizei melden, als zufällig eine Streife entlangfuhr. Die reagierte aber nicht auf unsere Stoppzeichen, und so jagten wir dem Polizeiauto hinterher. Hupe, Lichtsignale, nichts nutzte. Erst an einer Kreuzung konnten wir uns bemerkbar machen. Ein Kollege klopfte gegen das Fenster der Polizei“, schildert der 29-Jährige vor Gericht.

Unfallopfer wurden nicht ernstgenommen

Was danach kam, unfassbar für ihn: „Ich war und bin noch immer schockiert, wie man als Unfallopfer behandelt wird. Wir bekamen gar keine Chance, den Sachverhalt zu schildern, sie ließen uns nicht ausreden. Wir wurden regelrecht abgewürgt“, schildert der Gärtner.

Ein Arbeitskollege (36) ergänzt: „Es war nach der Mittagspause und es kam mir vor, als ob die Polizisten keine Arbeit wollten. Jedenfalls waren sie nicht sehr willig. Ich fragte schlussendlich, ob sie noch was brauchen. Als der Beamte verneinte, war die Sache für uns erledigt. Wir waren nur wenige Meter gefahren, als ein Polizist auf die Fahrbahn sprang. Wir stoppten sofort.“

Richterin spricht Gärtner frei

Zu spät für einen der Beamten, er will vom Gärtner-Auto am Bein gestreift und verletzt worden sein.
„Ich glaube, wir haben ihn nicht erwischt. Und wir wollten auch nicht vor einer Amtshandlung abhauen. Wir hatten doch extra noch nachgefragt, ob sie noch was von uns brauchen“, beteuert der 29-Jährige und er will von einem Widerstand gegen die Staatsgewalt und einer Körperverletzung nichts wissen.

Auch die Richterin findet nach dem Beweisverfahren kein schuldhaftes Verhalten: Sie spricht den Gärtner frei.