Erstellt am 17. März 2016, 12:35

von APA Red

Prozess gegen diebische Altenpflegerin. Am Landesgericht Korneuburg ist am Donnerstag ein Prozess gegen eine 40-Jährige fortgesetzt worden, die ihre Tätigkeit als Altenpflegerin bei Senioren für Diebstähle ausgenutzt haben soll.

 |  NOEN, www.BilderBox.com
Laut Anklage soll sie einer alten Dame Schmuck und einem 80-Jährigen nach Betäubung mit Speiseeis Bargeld gestohlen haben. Zum Verhandlungsauftakt im Dezember 2015 hatte sie sich nicht schuldig bekannt.

Opfer verstorben: "War danach nicht mehr derselbe"

Die Angeklagte soll dem 80-Jährigen bei einem privaten Besuch Eis von einem Fast-Food-Restaurant mitgebracht haben. Der Mann sei bewusstlos zusammengebrochen und erst zwei Tage später wieder zu sich gekommen - aus dem Haus fehlten neben dem Bargeld sein Handy und Laptop.

Der Darstellung des Verteidiger beim Prozessbeginn zufolge basiere die Anklage allerdings lediglich auf Vermutungen. Im Haus seiner Mandantin sei nichts gefunden worden, und im Blut des Pensionisten seien keine Substanzen nachgewiesen worden. Dieser habe selbst gegenüber der Polizei angegeben, nach ihrem Weggang auf dem Weg zur Toilette gestürzt zu sein - möglicherweise habe der Mann einen Kreislaufkollaps erlitten.

Mittlerweile ist der 80-Jährige - im Jänner - verstorben. Er sei seit dem Vorfall vor einem Jahr nicht mehr derselbe gewesen, sagte seine Tochter am Donnerstag im Zeugenstand: "Er verkraftete nicht, dass ihm so etwas passiert ist."

Die 54-Jährige vermutete, dass die Angeklagte gewusst hatte, dass Geld im Haus war - der Pensionist hatte ein Sparbuch aufgelöst und der Feuerwehr 6.000 Euro gespendet, eine ähnliche Summe wollte er dem Roten Kreuz zukommen lassen. Die Zeugin erzählte weiters, dass ihr Vater zwar - weil einsam - sicher "empfänglich" für weibliche Gesellschaft gewesen sei, bei der Altenpflegerin aber ein "ungutes Gefühl" gehabt hätte.

Handy des Pensionisten blieb unauffindbar

Vater und Tochter hatten täglich miteinander telefoniert. Als die Frau den 80-Jährigen an jenem Sonntag nicht erreichte, dachte sie zunächst, er würde das Telefon nicht hören. Am Montag hob er wieder nicht ab, worauf sie bei seinem Stammwirt nachfragte, ob er essen gewesen war.

Während einer Krankheit hatte der Gastronom dem Pensionisten das Essen geliefert - aufgrund des Anrufs der Tochter schaute er sofort nach. Die Eingangstür war unversperrt - der Mann lag auf dem Boden und war in der Folge total verwirrt. Er wurde ins Krankenhaus Mistelbach eingeliefert und erzählte der Tochter dann von seinem Blackout seit Samstagabend.

Das Handy des Pensionisten blieb unauffindbar. Bei der Rückkehr aus dem Spital entdeckte er das Fehlen seines Bargeldes. Bei einer folgenden Spurensuche im Haus fand die Polizei allerdings keine Eisbecher. Auch der Blut- und Harnbefund des 80-Jährigen war negativ - es wurden keine von einer Betäubung herrührenden Substanzen nachgewiesen.

Auf der Schmuckschatulle jener 93-Jährigen, die im Dezember vor Gericht das Verschwinden diverser Schmuckstücke beklagt hatte, wurden keine DNA-Spuren der Angeklagten gefunden. Ein weiterer Beweisantrag auf Anhörung des Gastwirten wurde am Donnerstag abgewiesen.

Die Staatsanwältin hielt den Strafantrag aufrecht. Beide Opfer hätten vor einem Jahr jeweils nach Besuchen der Angeklagten das Fehlen von Wertgegenständen bemerkt. DNA-Spuren würden nach einmaligem Angreifen nicht unbedingt haften bleiben, und K.o.-Tropfen seien nur in ganz kurzem Zeitraum nachweisbar, betonte die Anklägerin.

Dem hielt der Verteidiger entgegen, dass Sachbeweise fehlen würden. Er beantragte daher einen Freispruch. Seinem Schlussplädoyer schloss sich am Vormittag die Urteilsberatung der Schöffen an.

Schöffensenat sah keine Beweise

Die 40-Jährige wurde letztlich vom Vorwurf des Raubes und gewerbsmäßigen Diebstahls rechtskräftig freigesprochen. Der Schöffensenat sah keine Beweise dafür, dass die als Putzfrau bei Senioren tätige Angeklagte vor einem Jahr eine 93-Jährige und - nach Betäubung durch K.o-Tropfen in Speiseeis - einen 80-Jährigen bestohlen hatte.

Richterin Xenia Krapfenbauer verwies auf das umfangreich geführte Ermittlungsverfahren. So wurde dem 80-Jährigen insgesamt drei Mal Blut zur Untersuchung abgenommen - laut Krankengeschichte und auch Gutachten handelte es sich um eine Schwäche, es fanden sich "keine Anzeichen für Verletzungen oder Vergiftungen".

Das Opfer selbst habe gegenüber der Polizei zunächst angegeben, er sei vom Bett aufgestanden und gestürzt, erst später habe der Mann von einem zweitägigen Blackout gesprochen. Sein Haus war zudem unversperrt - es hätte also jeder etwas wegnehmen können. Widersprüchlich waren auch seine Angaben über die Höhe des verschwundenen Bargelds - von 4.000 bis letztlich 16.000 Euro.

Auch im Fall des einer 93-Jährigen abhandengekommenen Schmucks erinnerte die Richterin an divergierende Angaben der Zeugin und Mutmaßungen, die nicht untermauert werden könnten. Hier hätten ebenfalls mehrere Personen Gelegenheit zu einem Diebstahl gehabt - die Anzeige erfolgte erst einen Monat nach dem letzten Besuch der 40-Jährigen. Zudem habe die Angeklagte damals 15 Klienten betreut - 13 davon seien sehr zufrieden gewesen.