Erstellt am 14. Januar 2016, 12:06

von APA/Red

Prozess um Raubüberfälle auf Supermärkte. Vier Litauer mussten sich am Donnerstag vor einem Schöffensenat am Landesgericht Krems erneut für fünf Raubüberfälle auf niederösterreichische Supermärkte verantworten.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Die Urteile von Mai gegen drei von ihnen waren im Oktober zum Teil aufgehoben worden. Das Verfahren gegen einen Beschuldigten war zuvor ausgeschieden worden. Der Hauptangeklagte bekannte sich erneut als einziger schuldig.

Drei der vier Männer hatten im Mai Haftstrafen von zwölf, zehn und sechs Jahren erhalten, das Trio berief. Unter anderem musste am Donnerstag geklärt werden, ob die Mitbeschuldigten wussten, dass der Erstangeklagte eine Waffe mitführte. Denn das Urteil war insbesondere hinsichtlich Paragraf 143 StGB (schwerer Raub) aufgehoben worden.

"Wollten eigentlich Urlaub machen"

Keiner der Mitbeschuldigten sei bei den Raubüberfällen dabei gewesen, sagte der 29-jährige Hauptangeklagte, die Softgun habe ihm gehört. Alle vier Beschuldigten wurden kurz vor den Überfällen aus der Haft entlassen - einer nur einen Tag, bevor er die Tat in Österreich begangen haben soll. "Eigentlich wollten wir eine Reise nach Tschechien machen, dort haben wir auch zwei Tage verbracht.

Dann sind wir nach Österreich gefahren, weil zwei von uns noch nie in dem Land waren", sagte ein Mitangeklagter, der bestritt, an den Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein. Er habe nie eine Waffe beim Hauptangeklagten gesehen. Ein weiterer Mitangeklagter gab ebenfalls an, dass das Quartett in Österreich auf Urlaub war: "Hätte ich gewusst, dass ein Überfall geplant war, wäre ich nicht mitgefahren."

Ein 32-jähriger Mitangeklagter gab an, beim versuchten Überfall in betrunkenem Zustand auf dem Rücksitz des Autos geschlafen zu haben. Er habe keine Waffe im Fahrzeug gesehen. Von einer Supermarktmitarbeiterin als Zeugin wurde er am Donnerstag wie bereits im Mai wiedererkannt.

In Summe 18.000 Euro erbeutet

Den Angeklagten werden Raubüberfälle in Lebensmittelmärkte verschiedener Handelsketten in Kleinpertholz in der Gemeinde Heidenreichstein (Bezirk Gmünd), in Korneuburg, Krems, Oberhausen in der Gemeinde Groß Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) und in Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten) im Herbst 2014 zur Last gelegt. In Summe waren etwa 18.000 Euro erbeutet worden.

Die Beschuldigten agierten in wechselnder Besetzung, der Ablauf war aber gleich: Ein Mann war der Fahrer, ein oder zwei anderen gingen unmittelbar vor Geschäftsschluss den jeweiligen Supermarkt. An der Kassa wurde eine Waffe gezogen - einer Faustfeuerwaffe täuschend ähnliche Softgun oder einen Schreckschussrevolver - und Geld verlangt oder entnommen.

Vor dem mutmaßlich sechsten Coup am 22. November 2014 wurden drei der Beschuldigten in Böheimkirchen von der Polizei gestellt. Dem nunmehrigen Erstangeklagten gelang die Flucht. Er wurde später festgenommen und ausgeliefert.

Zwei bis zehn Jahre Haft für Angeklagte

Die vier litauischen Angeklagten sind im Prozess um Raubüberfälle auf niederösterreichische Supermärkte von einem Schöffensenat am Landesgericht Krems zu zwei, vier, sieben und zehn Jahren Haft verurteilt worden. Im Zweifel sei für die Angeklagten entschieden worden, begründete die Richterin die milderen Strafen als beim teilweise aufgehobenen Urteil im Mai. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Es kann nicht mit einwandfreier Sicherheit festgestellt werden, dass die Mitbeschuldigten gewusst haben, dass der Erstangeklagte eine Waffe hatte", sagte die Richterin. Erschwerend wirkten sich bei allen Beschuldigten die Vorverurteilungen aus. Bei der ersten Verhandlung im Mai hatten die Strafen noch sechs, zehn und zwölf Jahre gelautet. Ende Oktober wurde das Urteil insbesondere hinsichtlich Paragraf 143 StGB (schwerer Raub) aufgehoben. Das Verfahren gegen einen 28-jährigen Beschuldigten war im Mai ausgeschieden worden.

Die drei Mitangeklagten nahmen das Urteil an, der Erstangeklagte erbat sich Bedenkzeit. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.