Erstellt am 09. August 2016, 09:31

von Tina Jedlicka

„Wollte nur meine Mutter anrufen“. 18-jähriger Insasse soll versucht haben, einem Mithäftling das Handy zu rauben.

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Wegen versuchten Raubes steht ein 18-Jähriger am Landesgericht Wiener Neustadt vor dem Richter. Er soll einen Mithäftling in der Justizanstalt Gerasdorf verprügelt und sein Handy gefordert haben. „Alle haben gesagt, er hat eines“, meint der Angeklagte.
Doch bevor der Staatsanwalt die Anklage verliest, entschuldigt sich der 18-Jährige bei Richter Kurt Weisgram. Über das letzte Urteil dürfte er so erbost gewesen sein, dass er Weisgram als „Wappler“ bezeichnete.

Dann: „Es stimmt, dass ich sein Handy haben wollte. Aber ich hätte es wieder zurückgegeben“, meint er. Er habe nur seine Mutter im Krankenhaus anrufen wollen.

„Und warum haben Sie nicht einfach gefragt? Oder beim sozialen Dienst einen Anruf beantragt?“, will der Richter wissen. „Das geht doch niemanden etwas an, was mit meiner Mutter ist!“, kommt als Antwort.
„Da verprügeln Sie lieber jemanden, um sich ein Handy auszuborgen und es später zurückgeben zu wollen?“, stellt der Richter die Verantwortung des Angeklagten infrage.

Mutter des Burschen als Zeugin

Die Mutter des Burschen gibt als Zeugin an, dass sie gar nicht im Krankenhaus gewesen sei. Rechtsanwalt Christian Hirsch, der die Zeugin beantragt hat, meint schließlich: „Der Angeklagte macht sich Sorgen um seine Mutter, seine Familiensituation ist schwierig, seine Geschwister haben auch schon Erfahrung mit der Justiz. Dass sie nicht im Krankenhaus gewesen sein will, hat die Mutter heute das erste Mal gesagt.“

Der Angeklagte wird zu drei Jahren Haft plus Widerruf einer bedingten Strafe verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.