St. Pölten

Erstellt am 04. April 2017, 02:45

von Gila Wohlmann

Das leidige Gassen-Problem.... Wenn es gilt, Leben zu retten, zählt jede Sekunde. Doch Undiszipliniertheit kann Leben kosten.

Rettung und Feuerwehr konnten beim Auffahrunfall am 26. März auf der A1 bei St. Pölten nur verzögert zur Unfallstelle.  |  FF Böheimkirchen-Markt

Totalsperre der A1-Westautobahn bei St. Pölten am 26. März. Fünf Autos waren an der Karambolage beteiligt – und die Rettungsgasse funktionierte zum Leidwesen der Einsatzkräfte wieder einmal nicht.

Einer der ersten, der zeitweise nicht mehr weiter konnte, war Manuel Sieber, Einsatzfahrer beim Notarztwagen des ASBÖ St. Pölten: „Die ersten 200 Meter hat die Rettungsgasse noch gut funktioniert, dann fuhren Fahrzeuge vor uns in die Rettungsgasse ein und blockierten unsere Durchfahrt“, erinnert er sich. Und das hat die Ankunft bei der im Auto eingeklemmten Person verzögert. „Im Notfall zählt aber jede Sekunde!“, gibt er zu bedenken. Auch hinter dem Rettungskonvoi seien einfach undisziplinierte Autofahrer in die Rettungsgasse eingefahren, sodass der nachfolgende Rotkreuz-Wagen aus Böheimkirchen und auch die Feuerwehr Probleme hatten.

Oft Unklarheiten mit der Rettungsgasse

Dies bestätigt Sanitäter Thomas Morawetz vom Rotem Kreuz Böheimkirchen: „Viele Lenker wissen leider nicht, wie man sich bei einer Rettungsgasse verhält. Sie glauben, dass diese Fahrspur wieder frei sei, wenn die Einsatzfahrzeuge passiert sind.“ Probleme bei der Rettungsgasse seien, bedauert er, „leider Standard“. Ähnlich sind die Erfahrungen der Feuerwehr.

„Es bessert sich immer kurzfristig, wenn berichtet wird“, sagt Landesfeuerwehr-Pressesprecher Franz Resperger. Radiodurchsagen, nicht aufs Bilden der Rettungsgasse zu vergessen, wirken sich sofort aus, weiß er aus Erfahrung. Und auch, dass es besonders bei drei- und mehrspurigen Autobahnen Probleme gibt. „In mehrspurigen oder Verkehrsknotenbereichen sind Lenker oft überfordert“, bestätigt Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion NÖ.

Zusers Fazit ist, dass die Rettungsgasse „von gut bis gar nicht funktioniert“. Die ASFINAG sichert in der Regel Unfallstelle bzw. das Stauende ab und beseitigt die Unfallfolgen. „Wir sind überzeugt, dass die Rettungsgasse in vielen Fällen gut umgesetzt wird und hilft, Leben zu retten“, so ASFINAG-Sprecher Christoph Pollinger. 200 neue Brückentransparente mit einfachen Symbolen sollen das Prinzip Rettungsgasse noch besser erklären. Und Polizist Zuser bringt es auf den Punkt: „Die Rettungsgasse kann nur funktionieren, wenn sich alle daran halten.“

Die Rettungsgasse wurde in Österreich am 1. Jänner 2012 eingeführt. Sie gilt auch in Deutschland, Slowenien, Tschechien und der Schweiz. Keine Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse gibt es in Italien, Ungarn, der Slowakei und Kroatien.