Erstellt am 26. Juli 2016, 05:00

von Gila Wohlmann

Stress-Raser sind enorme Unfallgefahr. Hohe Geschwindigkeit, Zeitdruck und Ablenkung sind die häufigsten Unfallursachen.

Am häufigsten wird die Geschwindigkeit in den 30er-Zonen überschritten.  |  BilderBox.com

Mit Tempo 228 bei erlaubten 130 Stundenkilometern donnerte ein Pkw-Lenker die A 5 bei Gaweinstal entlang. Mit beachtlichen 186 Stundenkilometern und einem gebrochenen Fahrzeugrahmen war ein Biker auf der S 33 bei Traismauer unterwegs, bis er von einer Zivilstreife angehalten wurde.

In beiden Fällen wurde der Führerschein abgenommen. Aber auch Tote hat das Land NÖ heuer aufgrund „nicht den Fahrbahnverhältnissen angepasster Fahrgeschwindigkeit“ zu verzeichnen. Etwa jenen Burgenländer, der bei Annaberg auf nasser Fahrbahn gegen ein Brückengeländer krachte. Nur einige Beispiele von zu hohem Tempo.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) hat evaluiert: „Eine der Hauptursachen von tödlichen Verkehrsunfällen ist die falsche Geschwindigkeitswahl. Viele Lenker haben diese ,Darf’s-ein-bisserl-mehr-sein?‘-Mentalität. Nur wenige Stundenkilometer mehr lassen jedoch das Fahrzeug völlig anders reagieren“, erläutert Peter Felber, Bereichsleiter für Sicherheitsdienstleistungen im KFV.

„Spiel zwischen Angst, Lust und Risiko“

Doch was macht die Lust am Rasen aus? „Es ist das Spiel zwischen Angst, Lust und Risikobereitschaft“, weiß Dieter Krainz, Verkehrspsychologe im KFV. Das Klischee, dass eher Männer Raser sind, kann er durchaus bestätigen. Doch der klassische Rowdy mit PS-starkem Motorrad oder Auto ist nicht die Regel.

921.000 Tempoübertretungen wurden in NÖ 2015 per Radar und Section Control gemessen, in der ersten Jahreshälfte 2016 bereits 453.000 Übertretungen. „Der durchschnittliche Verkehrssünder ist getrieben von Termindruck“, weiß indes Felber. Dies bestätigt auch Willy Konrath, stellvertretender Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion NÖ.

„Zumeist handelt es sich um einen selbst auferlegten Stress. Ob Berufs- oder Privattermin – es lohnt sich nie, dafür sein oder das Leben anderer zu riskieren!“, betont der Verkehrspolizist, der in Gesprächen an die Eigenverantwortung der Fahrzeuglenker appelliert.

„Ich versuche, das Fehlverhalten dem Lenker zu visualisieren und frage, ob es umgekehrt dem Lenker, der die Übertretung begangen hat, angenehm wäre, wenn er aufgrund eines rücksichtslosen Fahrzeuglenkers verunfallen würde.“ Die meisten seien einsichtig, so Konrath.

Einfache Regeln können Leben retten

Doch die Mehrheit der Geschwindigkeitsübertretungen bewegt sich nicht im eklatanten Bereich. Österreichweite Messungen haben ergeben, dass Tempolimits besonders oft überschritten werden, je geringer das Tempolimit ist, am öftesten in 30er-Zonen (74 Prozent), gefolgt von 50er-Tempobeschränkungen (54 Prozent). „Hierbei handelt es sich zumeist um unbeabsichtigtes Schnellfahren“, so Felber.

Ablenkung, sei es durch Smartphone, Navi oder andere Ursachen (meist in Verbindung mit geringen Tempoüberschreitungen), stünde, betonen KFV und Exekutive, mittlerweile auf Platz eins der Unfallursachen. Einfache Regeln, so die Experten, können Leben retten: runter vom Gas, Hände aufs Lenkrad. Und die Gurtenpflicht im Auto, auch auf der Rückbank, einhalten.