Erstellt am 06. September 2016, 05:33

von Gila Wohlmann

Die verbotene Lust an Graffitis. Parolen oder verbotene Kunst: Schaden für Betroffene ist meist enorm.Ob Langeweile, politische

Graffiti-Künstler verwirklichen sich meist auf öffentlichen Gebäuden oder Zugwaggons.  |  NOEN, Banana Republic images/Shutterstock.com

„Scheiß Jesus!“ Diese Worte wurden vor kurzem auf einen Grabstein am Friedhof Mank geschmiert. Auch mit Hakenkreuzen wurde der Friedhofsbereich verunstaltet. Die Parole „Ausländer raus“ schrieb ein Unbekannter auf ein Garagentor im Bezirk Mistelbach. Der Kneipp-Aktiv-Weg in Hainfeld wurde vor einigen Tagen bereits das dritte Mal in diesem Jahr Ziel von Vandalen. Nicht nur, dass Blumenbeete verwüstet wurden; ein Fitnessgerät und eine Hinweistafel wurden bekritzelt.

Ein allgegenwärtiges Phänomen für die heimische Exekutive. „Graffiti oder Schmieraktionen gibt es seit vielen Jahrzehnten. Sie sind einerseits Ausdruck künstlerischer Ambitionen, genauso aber auch politische Agitation sowohl von links- als auch rechtsradikalen Kreisen“, stellt dazu Markus Haindl von der Landespolizeidirektion Niederösterreich beim Blick auf die verschiedenen Vandalenakte mit Graffiti-Schmierereien fest.

Jährlich wurden in den letzten Jahren rund 500 bis 600 Sachbeschädigungen durch Graffitis angezeigt.

Starke Migration führt zu rechten Parolen

Gibt es ein typisches Täterprofil? „Die Täter sind vorwiegend männlich und unter 30 Jahre alt“, weiß Haindl. Auch bestimmte Tage – wie die Halloween-Nacht – verleiten vor allem junge Täter zu Schmieraktionen, so wie jene Kinder, die eine Spur der Verwüstung durch Hohenberg gezogen hatten und neben verschiedenen Kritzeleien auch mit rohen Eiern Hausmauern verunstaltet hatten.

Die verstärkte Migration im letzten Jahr hat wiederholt Schmieraktionen mit fremdenfeindlichem Hintergrund zutage gebracht. Anfang August wurde die Volks- und Mittelschule in Pernitz mit Nazi-Parolen beschmiert, eine 1.500-Euro-Ergreiferprämie wurde daraufhin ausgesetzt. In großen Lettern wurden Parolen wie „Nazis willkommen“, „ACAB fuck you“ (ACAB bedeutet eine pauschale Beschimpfung von Polizeibeamten) sowie Hakenkreuze angebracht.

Zugwaggons sind indes beliebtes Ziel verbotener „Kunstaktionen“. „Für die ÖBB bedeuten diese einen enormen Zeit- und Kostenaufwand. 1 bis 1,2 Millionen Euro sind es in etwa jedes Jahr“, gibt ÖBB-Sprecher Christopher Seif zu bedenken.

Und: „Um ein Graffiti mit etwa 30 Quadratmetern zu entfernen braucht es etwa vier Mitarbeiter, die dann einen halben Tag lang beschäftigt sind.“ Kosten für die ÖBB: zwischen 1.000 und 1.100 Euro.

Der Schaden für die ÖBB liegt aber keinesfalls nur bei der Reinigung. Mit den Zusatzkosten – etwa der Anschaffung von Ersatzgarnituren oder der Überstellung an den Ort der Reinigung – fallen pro Graffiti-Fall Kosten von 4.000 bis 5.000 Euro an. Im ersten Halbjahr 2016 wurden den ÖBB 102 solcher Fälle gemeldet. Schaden: 132.000 Euro. 2015 gab es 203 Vorfälle bei einem Gesamtschaden von 204.000 Euro. Seif warnt selbst ernannte Künstler vor solchen Aktionen: „Jeder einzelne Fall wird zur Anzeige gebracht. Die Täter werden bis zum letzten Cent zur Kasse gebeten, im schlimmsten Fall müssen sie mit einer Vorstrafe rechnen.“

Das Strafausmaß für schwere Sachbeschädigung liegt bei bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe mit bis zu 360 Tagessätzen.

Manche Graffiti-Künstler hinterlassen eine Signatur. „Österreichweit liegt die Aufklärungsquote zwischen 30 und 50 Prozent“, weiß Seif.