Erstellt am 10. Mai 2016, 06:34

von Gila Wohlmann

Schleppern den Kampf angesagt. Mehr Effizienz in Ermittlungen soll neues Joint Operational Office (JOO) ermöglichen.

BK-Direktor Franz Lang, der Leiter des European Migrant Smuggling Centre (EMSC) Robert Crepinko, Innenminister Wolfgang Sobotka, der stellvertretende Frontex-Direktor Bernd Körner und Büroleiter Gerald Tatzgern (von links) bei der Schlüsselübergabe.  |  NOEN, LPD Wien/Karl Schober

„Wir wollen mit dem Aufbau dieser neuen Ermittlungseinheit nicht nur die internationale Zusammenarbeit ausbauen, sondern auch dieses Wissen an unsere Landeskriminalämter weitergeben, wie zum Beispiel durch gemeinsame Schwerpunktaktionen“, betont Bundeskriminalamtsdirektor Franz Lang.

Die 38 Mitarbeiter und – je nach Operation – bis zu acht zusätzliche internationale Ermittler haben gemeinsam der organisierten Schlepperei den Kampf angesagt. Die Eröffnung des Joint Operational Office (JOO) in Wien, von wo aus diese nun agieren werden, übernahm Innenminister Wolfgang Sobotka letzte Woche. Der Anlass ist klar: 2015 wurden in Österreich 71.029 Menschen wegen Verstößen gegen das Fremdengesetz von der Polizei aufgegriffen. Das ist eine Verdoppelung der Zahlen im Vergleich zu 2014 (34.070 Menschen). 2013 waren es „nur“ 27.486 Personen. Die Zahl der Schlepper ist im selben Zeitraum von 352 im Jahr 2013, 511 im Jahr 2014 auf immerhin 1.090 Schlepper im Vorjahr angestiegen.

Sommer 2015: Mit einem Fünf-Punkte-Plan von Polizei und Justiz wird verschärft gegen Schlepperei vorgegangen. Trauriger Höhepunkt der Skrupellosigkeit der Schlepper waren 71 tote Menschen in einem Lastwagen bei Parndorf im August. „Spätestens hier wurde erkannt, dass es noch mehr Bedarf nach internationaler Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Schlepperei gibt“, so Franz Lang.

Büro als verlängerter Arm zur Europol

Auf Initiative des Bundeskriminalamtes wurde das „Joint Operational Office against Human Smuggling“ initiiert. „Es versteht sich als verlängerter Arm des European Migrant Smuggling Centre (EMSC) von Europol“, erläutert der BK-Chef.

„Eine unserer Mitarbeiterinnen wurde bereits diesem neuen Büro zugeteilt“, informiert indes Wolfgang Kunter vom Bereich „Menschenhandel“ im Landeskriminalamt NÖ. Auch er ortet durch diese neue Einrichtung Vorteile für die Effizienz bei den Ermittlungen. „Wir können durch die ausländischen Experten vor Ort schneller agieren und im Bedarfsfall auch gemeinsam zu Operationen ausrücken“, erklärt er.

Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit des JOO ist die Balkanroute sowie die Route über Italien.