Erstellt am 11. September 2015, 13:42

von Eva Hinterer

Schuldnerberatung NÖ legt Halbjahresbilanz 2015 vor. Die Durchschnittsverschuldung ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 10.000 Euro gestiegen; bei den Jugendlichen ist sie hingegen gesunken.

Michael Lackenberger, Geschäftsführer der NÖ Schuldnerberatung, Landesrätin Barbara Schwarz und Landesrat Maurice Androsch. Foto: Büro LR Schwarz  |  NOEN, Büro LR Schwarz
Mit zwei neuen Projekten, der NÖ finanz-card und dem Betreuten Konto, will man Prävention betreiben beziehungsweise Schuldner unterstützen.

Zahl der Betreuten blieb annähernd gleich

82.063 Euro beträgt die durchschnittliche Verschuldung von Personen, die die Schuldnerberatung NÖ aufsuchen. Das verkündeten die Landesräte Barbara Schwarz (ÖVP) und Maurice Androsch (SPÖ) in einer Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer der Schuldnerberatung NÖ, Michael Lackenberger.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres ist das eine Steigerung um über 10.000 Euro, 2014 lag die Durchschnittsverschuldung noch bei 71.519 Euro. Als Hauptgrund dafür nennt Schwarz die angespannte Wirtschaftslage.

Die Anzahl der von der Schuldnerberatung betreuten Personen ist annähernd gleich geblieben: Im ersten Halbjahr 2015 gab es 1.358 Erstgespräche, davon 600 mit Frauen und 758 mit Männern, im ersten Halbjahr 2014 waren es 1.333.

Das Durchschnittsalter der betreuten Schuldner liegt unverändert zwischen 30 und 50 Jahren. Hauptursachen einer massiven Verschuldung sind Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung, eine gescheiterte Selbstständigkeit sowie falsches Konsumverhalten. Soziallandesrätin Schwarz merkt allerdings an, dass jeder Fall individuell zu bewerten ist.

Was die Schuldnerberatung freut, ist, dass die Anzahl der Schuldner, die nach der Erstberatung nicht mehr kommen, gesunken ist. Auch ist die durchschnittliche Verschuldung der Jugendlichen gesunken, und zwar von 26.409 Euro im ersten Halbjahr 2014 auf 17.488 Euro im ersten Halbjahr 2015.

NÖ finanz-card vermittelt Kompetenzen

Wichtig sei, so Landesrat Androsch, in die Prävention zu investieren. Dafür wurde ein Projekt ausgearbeitet, dass ab 28. September erstmals in der Neuen Mittelschule Pernitz starten soll: Die „NÖ finanz-card“. Sie soll Grundkompetenzen in finanziellen Angelegenheiten vermitteln.

In mehreren Modulen wird den Schülern dabei gelernt, mit ihren Finanzen umzugehen: Wie werden  Preisvergleiche angestellt? Wo liegen Probleme bei Verträgen, etwa Handyverträgen? Wie analysiere ich mein Einkaufsverhalten? Wie verhindere ich, auf Verkaufstricks hereinzufallen?

Die Nö finanz-card soll nach dem Pilotversuch evaluiert und dann auf ganz NÖ ausgerollt werden. Sie wird in zwei Modulen – Basic für 14- bis 16-Jährige in NMS, Polytechnischen Schulen und Fachschulen  – und Advanced für 16- bis 21-Jährige in Berufs- und Fachschulen, angeboten.

Betreutes Konto zur Existenzsicherung

Als zweites Instrument zur Hilfe für Schuldner bietet die Schuldnerberatung seit 1. Juni das Betreute Konto an: Es soll existenzielle Nöte verhindern und besteht aus einem Eingangs- und einem Ausgangskonto.

Über das Eingangskonto werden Wohn- und Betriebskosten abgewickelt. Dafür gibt es auch keine Bankomatkarte, die Schuldnerberatung ist für dieses Konto zeichnungsberechtigt. Der Restbetrag kommt auf das Ausgangskonto, über das die Schuldner selbst verfügen und für das sie auch eine Bankomatkarte haben können.

Die Überweisung auf dieses Ausgangskonto ist monatlich, wöchentlich oder sogar täglich möglich. So soll vermieden werden, dass das verbleibende Geld auf einmal ausgegeben wird. Michael Lackenberger nennt dieses Betreute Konto das „Existenzsicherungsprodukt“ der NÖ Schuldnerberatung.