Erstellt am 05. September 2011, 00:00

Schule der Gladiatoren. SENSATIONSFUND / Carnuntum ist um ein antikes Puzzleteil reicher: In der Nähe der Amphi-theater entdeckten die Archäologen jetzt Reste einer Ausbildungsstätte für Gladiatoren.

Mit einem „Sensationsfund“ lassen die Archäologen in Carnuntum (Bezirk Bruck) dieser Tage wieder einmal aufhorchen. In naher Umgebung der römischen Kaiserstadt westlich des Amphitheaters der Zivilstadt wurden die Überreste einer Gladiatorenschule gefunden. Was die Existenz der beiden Amphitheater in Petronell und Bad Deutsch Altenburg schon vermuten ließ, dass es nämlich in Carnuntum auch eine Ausbildungsstätte für Gladiatoren gegeben haben könnte, wurde somit bestätigt.

Zu verdanken ist dies den modernen Methoden der Archäologie, die in Carnuntum von einem Team des Ludwig-Boltzmann-Instituts für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie gemeinsam mit dem Archäologischen Park Carnuntum angewandt wurden. Mit Messungen des Georadars wurden Reste einer Gladiatorenschule ausgemacht, die in ihrer Größe und Vollständigkeit einzigartig sein soll. Auf dem Areal finden sich neben den Unterkünften der Kämpfer und einer großzügigen Wohnung, die vermutlich der Ausbildner mit seiner Familie bewohnte, auch ein kleines Amphitheater, wo die Gladiatoren trainierten und von reichen Interessenten besichtigt werden konnten, weitere Übungsflächen wahrscheinlich mit Tiergehegen für die Tierhetzen, und natürlich ein Friedhof.

„Die Entdeckung der Gladiatorenschule ist nicht nur eine wissenschaftliche Sensation“, meint Landeshauptmann Erwin Pröll anlässlich der Präsentation der bisherigen Forschungsergebnisse am 5. September in den Seminarräumen des neuen Besucherzentrums in Petronell. „Auch für die Landesausstellung ist die Entdeckung ein wichtiger Impuls und ein Beweis dafür, dass unsere Investitionen in Carnuntum nachhaltig und richtig sind.“

Nachdem sich im Zuge der Landesausstellung seit 16. April schon 300.000 Besucher von den bisher freigelegten und originalgetreu rekonstruierten römischen Bauwerken in Carnuntum überzeugt haben, soll dieser neue Fund in Zukunft ein weiteres bedeutsames Puzzleteil der 2.000 Jahre alten Stadt bilden.

Dass man schon seit Beginn der Aufarbeitung an der archäologischen Stätte wusste, dass hier sukzessive immer neue sensationelle Funde zutage treten würden, unterstreicht auch Hermann Dikowitsch, der Leiter der Kulturabteilung des Landes. Besonders an der Gladiatorenschule könne man nun erkennen, welchen bedeutenden Stellenwert die Metropole Carnuntum im Römischen Reich gehabt haben muss.