Erstellt am 24. Mai 2016, 07:14

von Jutta Hahslinger

Schwarzfahrerin droht mit erfundener Sexattacke. Um Zugbegleiter von einer Anzeige abzuhalten, droht 19-Jährige ohne Ticket, ihn sexueller Belästigung zu bezichtigen.

Pendler am Bahnsteig in Klosterneuburg nachdem am Montag, 18. April 2016, bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe entdeckt wurde. Der Zugverkehr auf der Franz-Josefs-Bahn zwischen Wien-Nussdorf und Klosterneuburg-Weidling kam zum Erliegen. - FOTO: APA/BIRGIT EGARTER  |  NOEN, BIRGIT EGARTER (APA)

Auf der Zugfahrt nach Bernhardsthal im Bezirk Mistelbach wurde eine 19-Jährige ohne Fahrschein erwischt. Statt beschämt die Strafe anzunehmen und wie gefordert, beim nächsten Stopp den Zug zu verlassen, widersetzte sich die Weinviertlerin dem Schaffner und drohte: „Wenn du mich anzeigst, lasse ich mir was einfallen. Ich sage, du hast mir auf die Brust gegriffen.“

Dann ließ sie den entsetzten Zugbegleiter (31) stehen und sperrte sich bis zur Einfahrt in Bernhardsthal in die Toilette ein. Am Bahnsteig erwartete die Schwarzfahrerin bereits die Polizei, wo sie die erfundene Sexattacke zum Besten gab.

Zeugin hörte die Drohung

„Der Zugbegleiter hat nur seinen Job gemacht und Sie bezichtigen ihn einer sexuellen Belästigung. Zum Glück für ihn gab es eine Zeugin, die Ihre Drohung gehört hat und seine Version des Geschehens bestätigen konnte. Waren Sie sich eigentlich bewusst, was Sie mit einer derartigen Anschuldigung anrichten?“, will Richter Rainer Klebermaß von der 19-Jährigen wissen.

An die existenzbedrohenden Konsequenzen für den Zugbegleiter habe sie nicht gedacht, gesteht die Frau leise und beteuert: „Es tut mir leid, ich wünschte, es wäre anders gelaufen.“

Das Geständnis rettet die vorbestrafte 19-Jährige vor einer Gefängnisstrafe. Sie wird wegen versuchter Nötigung und Verleumdung rechtskräftig zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. „Das ist Ihre letzte Chance“, mahnt der Richter.