Erstellt am 07. Mai 2012, 00:00

Spaziergänger. VON EVA HINTERER

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Der Fisch des Jahres 2012 hat ein kleines Popularitätsproblem. Gibt man bei Google „Huchen“ ein, dann fragt die Suchmaschine: „Meinten Sie Kuchen?“

Vielleicht auch, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, wurde der Süßwasser-Räuber zum „Fisch des Jahres 2012“ gekürt. Das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) hatte den grau-braunen Torpedo mit den beeindruckenden Körpermaßen dafür vorgeschlagen. Bis zu zwei Meter Körperlänge und ein Gewicht von 60 Kilo kann dieser größte Lachsfisch der Welt erreichen. Diese Maße aber sind, bedingt durch diverse Umwelteinflüsse, im Jahr 2012 nur mehr sehr theoretische. Huchen mit mehr als 30 Kilo Gewicht kommen im Donauraum nicht mehr vor. Fragt man Experten nach den Gründen, werden sie wehmütig. „Die Regulierung der Gewässer, die Verbauung der Uferzonen und die starke Verschmutzung führen zum Rückgang des Fischbestandes. Wir haben den Huchen deshalb zum Fisch des Jahres gewählt, weil er ein Symbol für die Schäden unserer Unterwasserwelt ist“, seufzt Helmut Bela nyecz, Präsident des ÖKF.

Huchen schwimmen im  NÖ Landesmuseum

Um den Huchen einer breiteren Masse bekannt zu machen, wurden vergangene Woche im Landesmuseum in St. Pölten zwei junge Exemplare in ein Becken mit Forellen und Saiblingen gesetzt. Dort können sie ab sofort bestaunt werden – etwa für ein Jahr, denn spätestens dann werden die aktuellen Spielgefährten zu Futtertieren.

Ohne „Besatz“, das heißt ohne das Auswildern gezüchteter Babyfische, könnte der Huchen nicht überleben, sagen die Experten. Einer, der sich mit Hingabe der Huchenaufzucht widmet, ist der Winzer Josef Fischer aus VON EVA HINTERER
Rossatz bei Dürnstein. Der Mann, den alle nur „Huchen pepi“ nennen, kreuzt Wildfänge aus Enns, Mur, Pielach und Donau, um die genetische Vielfalt seiner Lieblingstiere zu erhalten. An Gourmetlokale verkauft der Huchenpepi die schmackhaften Tiere nicht: Seine gezüchteten „Besatzfische“ werden allesamt wieder ausgesetzt.

„Natürlich wollen wir auch Fische entnehmen“, bestätigt Franz Kiwek von der österreichischen Fischereigesellschaft, dass die Fischer keine Kostverächter sind, „aber wir sorgen auch dafür, dass überhaupt welche da sind“.

Mit rund 90 Fischarten ist die Donau der artenreichste Fluss Mitteleuropas. „Aber fast 80 Prozent der Fischarten sind gefährdet“, zeichnet Helmut Belanyecz ein bedrohliches Szenario. Besonders Verschmutzung und Flussverbauungen zerstören den Lebensraum der Wassertiere. Sie werden in den Turbinen der Wasserkraftwerke „faschiert“, ersticken am verrottenden Grünschnitt, den achtlose Grundbesitzer in die Uferregionen entsorgen, können in flachen Uferzonen nicht mehr ablaichen, weil dort Radwege gebaut werden. „Wenn ich Ihnen aufzähle, was da alles schiefgeht, könnte ich zwei Wochen durchreden“, bedauert Fischexperte Belanyecz.

„Wir wollen, dass  Kreisläufe geschlossen sind“

„Wir Fischer wollen, dass Kreisläufe geschlossen sind, dass die Fische wieder ablaichen können“, sagt Fischereipräsident Kiwek. Weshalb er auch ein Verfechter von Flussrenaturierungen ist. Für den Huchen etwa startete Matias Jungwirth von der Universität für Bodenkultur ein Projekt an der Pielach, für das sogar Gründe angekauft wurden, um – wieder – optimale Lebensräume zu schaffen. Für alle Tiere, die vom Wasser leben.