Erstellt am 23. August 2016, 08:37

von Gila Wohlmann

Wenn das Warten nicht endet. Wer im Stau steckt, verliert leicht die Nerven. Eine Herausforderung für Betroffene und Polizei.

Die Westautobahn zwischen Ybbs und Pöchlarn war in den vergangenen Tagen mehrmals Schauplatz kilometerlanger Staus. Ruhe bewahren und keine unüberlegten Fahrmanöver, raten Experten.  |  NOEN, Einsatzdoku / Steyrer

Zehn Kilometer Stau nach einem Unfall auf der A1 zwischen Ybbs und Pöchlarn am 5. August. Sechs Tage später, gleiche Stelle, gleiche Situation: Unfall, dann ein Folgeunfall mit sechs Fahrzeugen, Totalsperre der A1, Megastau.

Stau ist eine enorme Herausforderung für die Einsatzkräfte, aber auch eine nervenaufreibende Situation für alle, die darin feststecken. Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion, sagt dazu: „Die zeitliche Wahrnehmung, wie lange ein Stau dauert, ist sehr subjektiv. Natürlich kommt es dem Wartenden zumeist länger vor, als die Verzögerung andauert.“ Ein absoluter Stillstand sei vor allem im dreispurigen Autobahnbereich, eher selten; häufiger seien Stop-and-go-Situationen. Aus Sicht der Polizei bewährt sich ein langsames Vorbeilotsen an der Unfallstelle meist besser, als den Verkehr von der Autobahn abzuleiten. Denn das ist für die Polizei enorm aufwändig.

„So eine Maßnahme bedarf einer gewissen Vorlaufzeit, sodass sich das oft gar nicht mehr rentiert, weil der Stau sich schon auflöst“, weiß Zuser aus der Praxis. Außerdem gebe es bei solchen Maßnahmen immer wieder gefährliche Situationen durch Geisterfahrer.

Nicht vom Herdentrieb mitreißen lassen

Von unüberlegten Fahrmanövern wie ständigem Spurwechsel im Stau rät Zuser dringend ab: „Man gewinnt vielleicht vier bis fünf Positionen und gefährdet sich und andere!“ Der Herdentrieb der Kfz-Lenker sei für die Polizei die größte Herausforderung im Staumanagement: „Wenn einer eine Ausleitungsmaßnahme missachtet oder in die Rettungsgasse einfährt, folgen fast immer andere Fahrzeuge.“

Apropos Rettungsgasse: Sie ist im Stau so lange einzuhalten, bis der Verkehr wieder halbwegs zügig ins Fließen kommt. Zusers Tipps für Staugeplagte: „Ruhig bleiben! Immer genügend Sprit im Tank haben, Getränke mitnehmen und Spiele, wenn Kinder im Auto mitfahren!“ Das empfiehlt auch Verkehrssicherheitsexperte Christian Kräutler vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Es sei wichtig, sich „in der Zeit des Wartens nicht von negativen Gefühlen mitreißen zu lassen, sondern positive Gedanken ins Auto zu holen“. Und man sollte sich stets vor Augen halten, dass man, wenn man selbst Unfallopfer ist, froh über rasche Hilfe wäre.

"Immer Verkehrsfunk hören!"

Im Staugeschehen leiden aber nicht nur Zweibeiner, sondern auch Vierbeiner – vom Hund über Sportpferde bis hin zu Nutztieren. Der forensische Veterinärmediziner und tierärztliche Sachverständige Reinhard Kaun rät zur Prävention: „Immer Verkehrsfunk hören! Ein Wasserkanister, eine Decke, Ersatzführleinen oder -halfter und eine Notfallapotheke sollten immer dabei sein. Bei einem Pferdetransport sollten möglichst immer mindestens zwei Personen dabei sein. Und der Transporter muss gut belüftet sein.“

Wichtig sei es, keine Panik aufkommen zu lassen, weil sich diese auf die Tiere übertrage. Kaun: „Sollte ein Tier unkon-trollierbar werden, rät es sich, die Polizei anzurufen, damit ein Tierarzt zur Sedierung mit Polizeieskorte gelangen kann.“ Ein Pferd auf der Autobahn auszuladen, sollte tunlichst vermieden werden, die Gefahr des Losreißens sei zu groß. „Sollte ein Umladen aufgrund eines defekten Hängers vonnöten sein, dann immer nur unter polizeilicher Absicherung“, empfiehlt Kaun Tiertransporteuren.