Erstellt am 19. Juli 2016, 07:00

von NÖN Redaktion

Putsch in Istanbul: „Es war das absolute Chaos“. Wie Niederösterreicher den Anschlag mit einem Lkw auf der Promenade in Nizza und den Putschversuch in den türkischen Städten Istanbul und Ankara erlebten.

In Nizza raste ein Attentäter mit einem Lkw in eine feiernde Menge. Jetzt säumt ein Blumenmeer den Tatort, wo 84 Menschen starben.  |  NOEN, APA

Eine Horrormeldung jagte in der Vorwoche die andere. Zuerst der verheerende Anschlag mit einem Lkw auf der Promenade in Nizza mit 84 Toten, wo viele Menschen gerade den französischen Nationalfeiertag begingen. Einen Tag später der Putschversuch in der Türkei, der niedergeschlagen wurde. Wobei rund 290 Menschen getötet wurden. Bei beiden Ereignissen waren Niederösterreicher unmittelbar in der Nähe. Hier deren Eindrücke.

Einen Schutzengel hatte Corinna Hechtl aus Neunkirchen, Tochter von SPÖ-Nationalratsabgeordneten Anton Hechtl. Sie war kurze Zeit vor dem Terrorakt mit ihrem Lebensgefährten Bernd Scheubrein am Ort des Geschehens gewesen. Auf facebook schrieb sie am Morgen nach der Tat: „Auch wir waren gestern in Nizza unterwegs. Um 20 Uhr haben wir uns ein Konzert am Place Massena angehört. Ab 21 Uhr sind wir dann für eine Stunde die Promenade entlang spaziert, um 22 Uhr haben wir einen Eissalon besucht und uns das Feuerwerk zum Nationalfeiertag angesehen. Gleich nach dem Ende des Feuerwerks haben wir uns Richtung Hotel aufgemacht und haben von dem Unglück nichts mitbekommen.“ Erste Informationen zu der Tat bekamen sie aus Neunkirchen, wo man glücklich war, sie erreicht zu haben.

Corinna Hechtl und Bernd Scheubrein kurz vor dem Attentat auf der Promenade in Nizza. privat  |  NOEN, privat

In Nizza war auch Philip Hofmacher aus Waidhofen an der Ybbs. Er studiert dort an der „European Innovation Acadamy“. Er war am besagten Abend mit einer Studentengruppe ebenfalls auf der Promenade unterwegs gewesen. Hofmacher ist der Stiefsohn von Amstettens Wirtschaftskammerobmann Reinhold Mösl. Dieser zur NÖN: „Philip war nur ein paar Meter entfernt. Er hat alles live miterlebt. Zum Glück ist ihm nichts passiert. Einige seiner Studienkollegen dürften jedoch schwer verletzt worden sein.“

Chaos-Nacht im Urlaub in Istanbul erlebt

Beim Putschversuch in Istanbul war der 37-jährige Wiener Neustädter Kadir Sakallioglu in der Stadt. Seine Eindrücke: „Es war das absolute Chaos, keiner hat gewusst, was los war.“ Teilweise hätten ihn Szenen an einen Bürgerkrieg erinnert. „Auch die Bankomaten wurden geplündert, alle haben Geld abgehoben“, so Kadir Sakallioglu. Allerdings habe sich danach die Lage wieder rasch normalisiert.

Kadir Sakallioglu aus Wiener Neustadt erlebte die Putschnacht in Istanbul.  |  NOEN, privat

Für die Urlauber in der Türkei gab es teilweise Probleme mit den Flügen. So saßen etwa die Eltern des St. Pöltners Özgür Catikkas am Istanbuler Flughafen fest. „Meine Eltern sind gestern nach Istanbul geflogen, jetzt sitzen sie am Flughafen fest“, so Catikkas. Sorgen machte er sich auch, weil die Handy-Verbindung in die Türkei sehr schlecht war.

Die 44-jährige Software-Entwicklerin Christiane Gülcü aus Etzerstetten (Bezirk Scheibbs) hat die Geschehnisse rund um den Putschversuch in der Türkei in ihrem Urlaub in Side miterlebt. Auch, dass man dort jetzt noch negativere Auswirkungen auf den Tourismus befürchtet.

Chronik der Ereignisse

  • Anschlag in Nizza: In der Nacht auf Freitag, 15. Juli, raste der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel mit einem Lkw auf der Promenade in Nizza in eine Menschenmenge. Dort wurde gerade der französische Nationalfeiertag zelebriert. Er riss 84 Menschen, darunter auch Kinder, in den Tod. 18 Personen schwebten am Wochenende in Krankenhäusern noch in Lebensgefahr. Der Attentäter wurde schließlich von der Polizei gestoppt und erschossen. Die Terrormiliz IS hat ihn als einen ihrer Soldaten bezeichnet. Mittlerweile gab es in seinem Umfeld bereits Verhaftungen.
  • Putschversuch in der Türkei: In der Nacht auf Samstag, 16. Juli, kam es in den Städten Istanbul und Ankara zu einem Militärputsch. Dieser wurde jedoch noch in der Nacht niedergeschlagen, nachdem sich die Bevölkerung den Soldaten in den Weg gestellt hatte. Die Bilanz: 290 Todesopfer. Mittlerweile wurde an die 6.000 Personen nach dem Putsch verhaftet.