Erstellt am 24. März 2016, 05:46

Terrorismus-Experte sieht Anschlagsgefahr in Österreich. Der Terrorismus-Experte Nicolas Stockhammer erkennt eine klare Anschlagsgefahr in Österreich.

Österreich "sekundäres Terrorziel"  |  NOEN, APA

"Dass etwas in Österreich passieren wird, halte ich für ziemlich wahrscheinlich", meinte Stockhammer in der "ZiB 24" am Mittwochabend. In Anbetracht des vergangenen Jahres sei Österreich zu einem "sekundären Terrorziel" aufgestiegen.

Österreich befinde sich nun hinsichtlich der Anschlagsbedrohung in einzelnen Ländern vergleichsweise in einem "Mittelfeld". Das gibt laut dem Experten und sicherheitspolitischen Berater des Verteidigungsministeriums "Anlass zur Hoffnung, dass es nicht zu bald passieren wird".

Europa werde sich auf einen mindestens 20-jährigen "langatmigen, brutalen Kampf" gegen den Terror einstellen müssen, so Stockhammer. Die Prävention sei ein wesentliches Instrument. Für den Schütz der Zivilbevölkerung sei bisher "zu wenig getan" worden, dieser müsse verstärkt werden. Schwächen gebe es auch bei der Verfolgung der Straftäter.

"Multiples Versagen" der Sicherheitsbehörden

Eine langfristige Terrorbekämpfung solle die Unterminierung von Finanzierungsströmen der Terrorzellen und eine gezielte Überwachung von Verdächtigen einschließen. Die Zivilbevölkerung könne versuchen, der Terrorgefahr "Gelassenheit entgegensetzen".

Stockhammer sieht einen Zusammenhang der Anschläge von Paris und Brüssel, es liege ein "multiples Versagen" der Sicherheitsbehörden in Belgien und der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit vor. Auch die Brüsseler Problem-Gemeinde Molenbeek sei zu wenig überwacht worden.

Der Anschlag in Brüssel habe Zeit der Planung gebraucht und sei nun von den Terroristen "anlassbezogen aus der Tasche geholt" worden. Europas mutmaßlicher jihadistischer Topterrorist Salah Abdeslam war am Freitag im Brüsseler Viertel Molenbeek gefasst worden.

Bei den islamistischen Terroranschlägen am Brüsseler Flughafen und einer Metrostation im Europaviertel der belgischen Hauptstadt waren am Dienstag insgesamt 31 Menschen getötet worden. 300 weitere Personen wurden verletzt.