Erstellt am 05. Januar 2016, 06:13

von Gila Wohlmann

Uniformierte „Frauenpower“. Von der Politesse zur Polizeibeamtin: Berufsbild für Damen bei Exekutive hat sich gewandelt.

Ihre Berufslaufbahn als Exekutivbeamtin hat Gertraud Eigner von der Polizeidienststelle Traisenpark nie bereut.  |  NOEN, NÖN/Wohlmann
Marokkanerkaserne, 1965: 63 junge Frauen marschieren in Uniform auf. Der erste Polizeilehrgang für Frauen im uniformierten Polizeidienst. Über 600 Damen hatten sich dafür beworben. Ein Meilenstein in der Exekutivausbildung, die bislang in Uniform nur Männern vorbehalten war. Der Grund, warum nun Frauen diese neue Karrierechance erhielten, war Personalmangel bei der Exekutive.

Über 50 Jahre „Frauen im Streifendienst“, ein Berufsbild, das sich seither sehr gewandelt hat, wie Gertraud Eigner, 59 Jahre, bestätigt. Sie versieht Dienst bei der Polizeidienststelle Traisenpark in St. Pölten. 1974 hat sie die Ausbildung zum „weiblichen Straßenaufsichtsorgan“, umgangssprachlich „Politesse“ genannt, absolviert. „Aus Eigeninteresse, aber auch, weil Verwandte bei der Polizei sind“, hat es Eigner zum Exekutivdienst geführt. Eine Berufslaufbahn, die sie bis heute nie bereut hat, im Gegenteil, „weil das Aufgabenfeld vielfältiger geworden ist“, wie Eigner bestätigt. Dass Frauen nun in Uniform Amtshandlungen durchführen und den Verkehr regeln durften, stieß damals auf öffentliches Interesse. Auf „Skepsis oder Ablehnung“ sei sie nie, „weder in der Bevölkerung noch in der Kollegenschaft gestoßen“. So die die Erfahrungen der Beamtin. Sie erinnert sich: „Zu Beginn meiner Berufslaufbahn durfte ich nur Tagdienst machen und mich in erster Linie um den ruhenden Verkehr kümmern, also waren Parkraumüberwachung und Schulwegsicherung mein Aufgabenfeld.“

Die ersten Politessen in Niederösterreich durften keine Waffen tragen, sondern hatten nur eine Trillerpfeife. Ein Neustart in der Exekutivausbildung für weibliche Polizisten erfolgte 1990. Damen hatten nun die Möglichkeit, die einjährige Ergänzungsausbildung zum regulären Polizeidienst zu absolvieren. Diese Chance nutzte Eigner und wechselte Anfang der 90er-Jahren zur „Sicherheitswache“. „Das war ein großer Schritt, denn nun machte ich ganz normalen Regelbetrieb mit Tag- , Nacht- und Wochenenddiensten genau wie meine männlichen Kollegen“, schildert sie.

„Stress und Druck führen zu Eskalationen“

Ob sich in ihren Dienstjahrzehnten in der Gesellschaft etwas geändert hat?
„Ja. Die Leute sind aggressiver geworden. Stress und Hektik des Alltags, hoher privater wie beruflicher Druck führen zu emotionalen Eskalationen.“ Das stellt sie im Straßenverkehr wie auch im Privatbereich fest. Häusliche Gewalt berührt sie immer besonders dann, „wenn Kinder hilflos zwischen den Fronten“ stehen.
„Da kann man dann nicht einfach so abschalten, wenn man aus dem Dienst geht“, sagt sie. Ebenso erschüttert sie, wenn junge Menschen durch Drogensucht oder Kleinkriminalität auf die schiefe Bahn geraten.

„Da hab’ ich schon öfters gesagt: Schmeiß’ doch nicht so achtlos dein Leben weg. Es liegt ja noch vor dir“, so die Beamtin, die selbst keine Kinder hat. Doch auch Skurriles ist ihr in Erinnerung: „Ich habe in der Weihnachtsnacht einen Einbrecher erwischt. Er trug sogar eine Weihnachtsmannmütze!“

Ihre bislang berührendste Erinnerung im Dienst: „Eine ältere Dame hat einen Suizid angekündigt, weil sie einsam war. Ich bin dann mit ihr auf ihrem Sofa gesessen und sie fragte mich, ob sie meine Hand berühren dürfte, denn sie wollte einfach einmal menschliche Wärme spüren.“


Frauen bei Polizei

Die Anfänge:
Die erste Frau, die in Österreich mit Polizeiaufgaben betraut wurde, war Franziska Wessely, die 1909 als „Polizeiassistentin für Jugendfragen“ den Dienst antrat. Der Bereich der „Fürsorgeangelegenheiten“ wurde nach der NS-Übernahme in die „weibliche Kriminalpolizei“ umgewandelt. 1945 wurde das „Institut der Polizeifürsorgerinnen für Jugendliche und gefährdete Frauen“ eingerichtet. 1974 wurde das Büro „Jugendpolizei“ geschaffen. Diese Polizeifürsorgerinnen durften ab 1951 die Bezeichnung „weibliche Kriminalbeamte“ führen. Am 1. Oktober 1965 war der erste Kurs für uniformierte Beamtinnen in der Marokkanerkaserne. Ab 1990 gab es die Ergänzungsausbildung für den regulären Polizeidienst.

Frauen bei der Gendarmerie:
Die ersten acht Frauen bei der Bundesgendarmerie – eine für jedes Landesgendarmeriekommando – wurden 1984 aufgenommen.
Erst ab den 1990er-Jahren waren sie den männlichen Kollegen gleichgestellt. Mehrere Kurse in der Gendarmerieschule Mödling folgten. Im Jahr 1996 trat die erste Gendarmerieoffizierin den Dienst an.  Quelle: BMI/Sabitzer