Erstellt am 26. April 2016, 07:04

von Gila Wohlmann

„Arrest“ für den kranken Geist. Ob Schizophrenie, Depression oder Suizidgefahr: Einweisungen in psychiatrische Anstalten steigen.

 |  NOEN, Rebecca_Vale/Shutterstock.com

Wilde Szenen in den Räumlichkeiten des psychosozialen Dienstes Schwechat: Ein Ukrainer, der eigentlich in der Psychiatrie in Baden sein sollte, rastet aus. Der 45-Jährige schlägt wild um sich, bespuckt und verletzt zwei Polizisten. Ein Amtsarzt ordnet die Einweisung in eine Abteilung für Psychiatrie an.

„Voraussetzungen für eine Unterbringung des Betroffenen sind eine Selbstgefährdung oder eine Fremdgefährdung“, informiert die St. Pöltner Staatsanwältin Michaela Obenaus. Im mehrjährigen Durchschnitt werden in NÖ etwa 1.000 polizeiliche Maßnahmen im Zusammenhang mit psychisch Kranken gesetzt. Tendenz steigend. „Derartige Amtshandlungen stellen eine große Herausforderung dar, da eine strukturierte Kommunikation zur Deeskalation der Situation kaum möglich ist“, weiß Markus Haindl von der Landespolizeidirektion. Dass dabei Beamte verletzt werden, komme zwar vor, sei aber nicht die Regel, sagt Haindl.

„Nicht jeder ist zwingend aggressiv“

Die Überstellung des Kranken erfolgt zumeist mit der Rettung. Rotkreuz-Pressesprecher Andreas Zenker betont, dass nicht jeder, der in eine psychiatrische Anstalt überstellt wird, zwingend aggressiv ist. Behutsam agieren müsse man bei der Überstellung solcher Patienten aber allemal. „Wir wollen die Menschenwürde achten, aber oft ist es schwierig zu erkennen, was im nächsten Moment passiert.“ Bei Personen mit akutem Gefährdungspotenzial wird die Fahrt von einem Exekutivbeamten begleitet.

Eine der Institutionen, in die psychisch Kranke gebracht werden, ist das Landesklinikum Mauer. Ihre Leiden sind mannigfaltig. „Das können Personen mit unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolaren Störungen oder Suizidgefährdete sein, ebenso aber auch Personen nach übermäßigem Alkoholkonsum, mitunter auch nach Drogeneinnahme“, schildert Psychiaterin Ingrid Leuteritz, ärztliche Leiterin des Landesklinikums. Nach der Einweisung in das Spital erfolgt eine Begutachtung durch einen Facharzt für Psychiatrie.

Das Landesklinikum Mauer hat eine eigene Station nur für Patienten, die sich nach dem Unterbringungsgesetz (UBG) hier aufhalten. Manche sind hier sogar auf eigenes Verlangen. „Diese Menschen sind froh, wenn sie jemand vor sich selbst oder auch andere vor ihnen schützt“, weiß Leuteritz. Erst am Samstag nahm eine groß angelegte Suchaktion nach einem abgängigen Patienten ein gutes Ende. Wann und ob Untergebrachte das Spital verlassen dürfen, müssen die Psychiater des Spitals und externer Gutachter entscheiden. Wenn parallel ein Strafverfahren läuft, ist überdies die Zustimmung des Gerichts nötig. Manche dieser Patienten sind hochpsychotisch. So gab es Patienten, denen innere Stimmen befohlen haben, Angehörige zu ermorden. Fachärztin Leuteritz räumt ein, dass „so was schockiert, aber man nie vergessen darf: Dieser Mensch ist psychisch krank und bedarf fachgerechter Betreuung und Behandlung“.