Erstellt am 23. Februar 2016, 06:44

von Jutta Hahslinger

Ehefrau an Rand der Verzweiflung gebracht. Als Sachwalterin ihres Mannes beging 46-Jährige Fehler: Sie versorgte Familie, ohne sich Unterhalt bewilligen zu lassen.

Engagiert: Verteidigerin Ilse Grond erkämpfte für die mitgenommene Ehefrau einen Freispruch.  |  NOEN, Jutta Hahslinger
In guten wie in schlechten Zeiten: An dieses Eheversprechen habe sie sich gehalten, als ihr Mann schwer erkrankte und der Pflege bedurfte, beteuert eine 46-Jährige aus dem Bezirk Krems vor Gericht.

Der Untreue-Vorwurf des Staatsanwaltes, sie habe sich als Sachwalterin ihres demenzkranken Mannes an dessen Geld vergriffen, lässt die Beschuldigte erbleichen. „Ich wurde nicht Sachwalterin, um an Geld zu kommen“, sagt sie sichtlich betroffen und beteuert ihre Unschuld.

Es sei keine leichte Aufgabe als Berufstätige und Mutter eines Sohnes gewesen. Es habe an ihren Kräften gezerrt, allen Pflichten und Aufgaben nachzukommen, gesteht sie unter Tränen ein. Schließlich sei sie gesundheitlich selbst nicht mehr in der Lage gewesen zur Arbeit zu gehen.

Hatte kein eigenes Einkommen mehr

„Als ich kein eigenes Einkommen mehr hatte, stand nur das Geld meines Mannes zur Verfügung. Ich habe damit von März bis Dezember Essen, Miete und Betriebskosten gezahlt“, gibt die Beschuldigte Geldausgaben von 4.790 Euro unumwunden zu. Bis zur Anklage habe sie darin auch kein Verbrechen gesehen, gesteht sie ein. Beim Pflegschaftsgericht sei sie über ihre Pflichten als Sachwalterin informiert worden, aber sie habe sich geniert und nicht wegen jeder Unklarheit hinrennen wollen, räumt sie Fehler ein.

„Sie hat unglücklich agiert und nicht bedacht, dass sie sich nach mehr als 25 Ehejahren den Unterhalt, der ihr gesetzlich zusteht, bewilligen lassen muss“, wirft Verteidigern Ilse Grond ein und sieht keinen Schädigungsvorsatz.

Der kann auch im Beweisverfahren nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, und Strafrichter Michael Marvan spricht die 46-Jährige frei.