Erstellt am 09. August 2016, 06:58

Aufrüsten für Katastrophen. Heftige und kleinräumige Unwetter halten die Feuerwehren auf Trab. Daher wird in Hilfsmittel investiert.

In Rabenstein im Pielachtal stand Ende Juli auch das Gelände der Firma E-Norm unter Wasser; dank des Einsatzes der Feuerwehr samt Pumpanlagen blieben die Büroräume trocken. Auf mehrere 100.000 Euro sollen sich die Schäden im Pielachtal belaufen.  |  noen, Franz Dirnbacher / FF Kirchberg

Am Abend des 21. Juli zog ein aus Tschechien kommendes Hagelunwetter eine vier Kilometer breite Spur der Verwüstung durch vier Gemeinden im Bezirk Waidhofen/Thaya. Wald und landwirtschaftliche Flächen wurden verwüstet, die Schäden werden samt Folgeschäden (z. B. vernichtetes Viehfutter) von der Bezirksbauernkammer auf rund zwei Millionen Euro geschätzt.

Eine Woche später traten im Pielachtal im Bezirk St. Pölten Land nach schweren Regenfällen binnen Stunden mehrere Bäche über die Ufer und überfluteten Wohngebäude, Garagen, Keller und Firmenareale.

Schäden in Karlstein an der Raabs nach einem Hagelunwetter am 21. Juli samt Tornado; die Schäden im Bezirk Waidhofen/Thaya werden auf bis zu zwei Millionen Euro geschätzt.  |  NOEN, Hannes Ramharter

Der Klimawandel sorgt für immer heftigere, lokal oft eng begrenzte Unwetter. Die NÖN wollte wissen, wie die Freiwilligen Feuerwehren dafür gerüstet sind. „Wir wissen seit drei Jahren, dass diese Wetterphänomene auf uns zukommen und uns auch längerfristig beschäftigen werden“, sagt Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando. Allein in den vergangenen Wochen standen 2.500 Feuerwehrleute an 700 Stellen im Unwettereinsatz.

Millionen Euro werden jedes Jahr investiert

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner hat daher die Investitionen in die Katastrophenabwehr deutlich erhöht; er hatte das schon bei seiner Wiederwahl im März dieses Jahres angekündigt: zusätzliche Pumpen, Aggregate, Boote und Einsatzfahrzeuge wurden angeschafft, mehrere Millionen Euro werden dafür jedes Jahr investiert.

Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner: Hohe Investitionen in die Katastrophenabwehr.  |  NOEN, Erich Marschik

Ein Großgenerator, der ein Spital mit Strom versorgen kann, kostet rund 250.000 Euro: Hier arbeitet der Landesfeuerwehrverband eng mit dem Energieversorger EVN zusammen, der diese Geräte mitfinanziert.

Personell, sagt Resperger, sei man jederzeit in der Lage, genügend Einsatzkräfte aufzubieten, weil NÖ mit über 1.700 Freiwilligen Feuerwehren über eine flächendeckende Versorgung verfüge. „Ein Umstand, um den uns viele Länder der Welt beneiden“, fügt er hinzu. Ausgeklügelte Alarmpläne stellen sicher, dass Einheiten aus anderen Bezirken umgehend in Katastrophengebiete abkommandiert werden können.

Mobile Tankstellen und Wasserbeutel

Um Einsätze effektiv abarbeiten zu können, wurden zwei mobile Tankstellen angekauft. Je nach Erfordernis können diese mit 5.000 Litern Diesel oder Hubschrauberbenzin befüllt werden. Damit können Fluggeräte bei der Waldbrandbekämpfung, aber auch Notstromaggregate und Großpumpen rund um die Uhr in jedem Einsatzgebiet betankt werden.

Zur Wasserversorgung im Katastrophenfall haben EVN Wasser und die ABC Abwehrschule in Korneuburg kürzlich ein Kooperationsprojekt präsentiert: Trinkwasserbeutel mit einem Fassungsvermögen von je 15 Litern werden an fünf Standorten gelagert: Bisamberg, Obersiebenbrunn, Gänserndorf, Furth und Drösing. Insgesamt 44.000 Liter auf 80 Paletten wurden vorerst abgefüllt, um eine Erstversorgung sicherzustellen.

Katastrophenschutz

Einsatzgeräte der FF
- 8 Stück SPA 900 (Sonderpumpanlagen) mit einer Fördermenge 900 Kubikmeter/Stunde. Gesamtleistung: 7,2 Millionen Liter (=240 Schwimmbecken)
- 45 Stück SPA 200, Fördermenge 200 Kubikmeter/Stunde, Gesamtleistung: 9 Millionen Liter (=300 Schwimmbecken)
- 6 Stück 500 kVA Notstromgeneratoren: Ein 500 kVA-Notstromgenerator hat die Größe eines Überseecontainers und kann z. B. Strom für ein Spital mit bis zu 300 Patienten produzieren. Dazu 21 Stück 200 kVA Notstromgeneratoren und 3 Stück 100 kVA Notstromgeneratoren

Logistik
- 45 Wechsellader Kran/Unimog
- 5 Kranfahrzeuge mit einer Hebekraft von 70 Tonnen
- 23 Arbeitsboote: stark motorisiert, enorme Stabilität, große Arbeitsfläche, 11 Personen
- 22 Feuerwehrrettungsboote: wendig, geeignet für Seichtgewässer
- 1 Großküche: 5.000 Mahlzeiten
- 1 Million Sandsäcke
- 1.000 Meter Mobile Hochwasserschutzelemente

Katastrophenhilfsdienst
- 21 Bereitschaften
(6.000 Einsatzkräfte)
- 21 Bezirksführungsstäbe
- 1 Landesführungsstab, Tulln
- 2 Mobile Tankstellen: je 5.000 Liter Diesel/Hubschrauberbenzin
- 2 Führungsunterstützungscontainer für Einsatzleitung.
Quelle: Landesfeuerwehrverband