Erstellt am 02. Februar 2016, 05:28

von Jutta Hahslinger

Verkehrssünder nahm Beamten in Schlepptau. Nach Strafmandat gab Slowake Gas, den am Auto hängenden Polizisten will er gar nicht bemerkt haben.

Richterin Anna Wiesflecker verhängte über den Slowaken eine Bewährungsstrafe.  |  NOEN, Jutta Hahslinger

Der 56-jährige Slowake Ladislav B. beteuert vor Gericht sehr viel und listet auf: Er habe das Organstrafmandat wegen Falschparkens am Flughafen Schwechat bezahlt.

Er habe keinen Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet und auch keinen Polizeibeamten beschimpft. Er sei weder aufsässig noch aggressiv bei der Amtshandlung gewesen, sagt er und beteuert seine Unschuld. Er will nach Bezahlung der Strafe einfach losgefahren sein. Dass er bei der Wegfahrt den Gesetzeshüter touchiert oder mitgeschleift haben soll und der dadurch zu Sturz gekommen ist, will er nicht bemerkt haben.

Schreie des Opfers und dessen Trommeln gegen das Blech des Wagens will der 56-Jährige wegen eines Hörfehlers und eines defekten Hörgerätes nicht gehört haben.

„Als Berufschauffeur fahren Sie mit einem defekten Hörgerät? Das ist ja brandgefährlich“, kommentiert Richterin Anna Wiesflecker harsch.

Polizist wurde mitgeschleift

Der verletzte Polizeibeamte (46) schildert im Zeugenstand eine andere Version. Der Slowake habe nach Bezahlung der Strafe von 20 Euro geschimpft und „Police fuck off!“ gerufen. Eine Belehrung und Abmahnung habe der Mann dann nicht abgewartet, sondern sei einfach davongefahren. „Ich muss am Auto oder Fenster, das er hochgefahren hat, wo hängen geblieben sein. Jedenfalls musste ich mit dem Wagen mitlaufen, bis es mich aufgeplattelt hat, ich zu Fall gekommen bin“, schildert der Beamte. Bei dem Sturz habe er sich eine gebrochene Rippe, Prellungen und Abschürfungen zugezogen.

Nach einem umfangreichen Beweisverfahren befindet die Richterin den Slowaken der Verletzung eines Polizisten in Ausübung seines Dienstes und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt für schuldig. Sie verhängt über den Beschuldigten eine zehnmonatige Bewährungsstrafe. Nicht rechtskräftig.