Erstellt am 28. September 2015, 17:23

von Gila Wohlmann

Vernetzung gegen Netzkriminalität. Nur durch enge Kooperation von Behörden und Wirtschaft kann man Cyber-Attacken einen Riegel vorschieben. Interpol-Chef kam zum Arbeitsgespräch mit Innenministerin Johanns Mikl-Leitner.

Noboru Nakatani, Leiter des Interpol Global Complex for Innovation (IGCI), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Clemens Foisner von Sec Consult (v. l.) setzen auf engere globale Vernetzung von Behörden und Unternehmen im Kampf gegen den Cybercrime.  |  NOEN, Foto: Wohlmann
„Selbst das wohlhabendste Land kann das Problem der Cyberkriminalität nicht alleine lösen.“ Dies manifestierte Noboru Nakatani, Leiter des Interpol Global Complex for Innovation (IGCI).

Er kam am Montag zum Arbeitsgespräch mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nach Wien, im Anschluss folgten Gespräche mit heimischen Unternehmen. Das Thema: der Kampf gegen die Cyberkriminalität. Nakatani lobte dabei die Anstrengungen Österreichs in diesem Bereich. Cybercrime sei eine globale Herausforderung, wo internationale Zusammenarbeit im Zentrum stehen muss.

Herausforderungen ändern sich rasch

Dies betonte auch Innenministerin Mikl-Leitner: „Die Herausforderungen wachsen und ändern sich rasch. Dafür brauchen wir Interpol.“ Österreich hat bereits in den letzten Jahren die Kooperation zwischen Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft im Kampf gegen Cyberkriminelle laufend forciert und den Ernstfall in Form von Cyberplanspielen getestet.

Aus den Erkenntnissen dieser Cyberplanspiele, die bereits auch in anderen Ländern durchgeführt werden,  lerne man laufend für die Anforderungen der Zukunft. Was Mikl-Leitner freut ist, „dass im Rahmen des Cybersecurityforum Cyberschwächen nicht mehr wie früher unter den Teppich gekehrt werden, sondern Offenheit gezeigt wird.“

Cybersicherheitsgesetz ab 2017 geplant

Österreich arbeitet derzeit intensiv an der Entwicklung eines Cybersicherheitsgesetzes. Bis Herbst 2016 soll dies formuliert sein, in Kraft treten wird es voraussichtlich 2017. Dabei will man natürlich sich an Richtlinien auf europäischer Ebene orientieren.

Mikl-Leitner: „Wichtig ist es einfach, an diesem Thema stetig dran zu bleiben, denn es ist immer präsent.“ Dies betonte auch General Konrad Kogler, der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, dass bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität nicht mehr nur „globales Denken und nationales Agieren gefordert sei, sondern globales Denken und globales Handeln notwendig ist.“

Eine Kooperation von öffentlichem und privatem Sektor sei, so Kogler von Nöten, wenn auch die Weitergabe von Informationen nicht immer leicht und unumstritten sei.

"Unternehmen und Behörden ins Boot holen"

Auch Kogler setzt auf Vernetzung: „Wir müssen viele Unternehmen und Behörden ins Boot holen.“ Gerade im Bereich der kritischen Infrastruktur und Wirtschaftsspionage ist dies von besonders wichtig!“

Denn die Attacken werden komplexer. Dies bestätigt Clemens Foisner vom österreichischen Beratungsunternehmen Sec Consult. „Diese Attacken werden mit hohem Finanzaufwand betrieben. Auftraggeber sind Kriminelle, aber auch staatlich gestützte Organisationen. Sein Unternehmen setzt auf Zusammenarbeit mit Interpol.

Ein Projekt im Bereich „Darknet“ ist in Planung. Nur durch einen „ engen Schulterschluss zwischen Wirtschaft und Behörden“ könne, so Foisner, „Cybercrime erfolgreich bekämpft werden“.

Auf die NÖN-Anfrage, mit  wie vielen Cyberattacken denn das Innenministerium oder auch große Unternehmen durchschnittlich im Monat konfrontiert seien, antwortete Konrad Kogler, „dass dies nicht seriös sei, in genauen Zahlen zu benennen, aber, dass natürlich durch die wachsende Nutzung der EDV auch die Gefahr von Cyberattacken steige.“ In eine ähnliche Kerbe schlug auch Interpol-Direktor Nakatani, dass man einzelne Cyberattacken nicht beziffern könne, sondern in einem viel größeren Komplex sehen müsse.