Erstellt am 15. April 2016, 13:26

von APA/Red

Verstärkte Schlepperaktivitäten in Ostösterreich. Die Zahl der geschleppten Flüchtlinge ist im April in einigen Bundesländern wieder gestiegen.

ABD0041_20150819 - M…NCHHOF - …STERREICH: THEMENBILD - THEMENBILD - Illustration zum Thema "Asyl/FlŸchtlinge/Schlepper": FlŸchtlinge in einem Kleinlaster, die am Dienstag, 18. August 2015, von der Polizei auf der Autobahn A4 bei Mšnchhof aufgegriffen wurde. - FOTO: APA/HANS KLAUS TECHT  |  NOEN, APA/Hans Klaus Techt

43 Personen, die illegal nach Österreich gebracht wurden, waren es allein in der Nacht auf Freitag im Burgenland. Am Donnerstag wurden dort acht Schlepper festgenommen und am Montag in Oberösterreich 27 Flüchtlinge aus einem Fahrzeug befreit. Auch in Niederösterreich wurde eine Zunahme registriert.

Es seien wieder verstärkt Aktivitäten von Schleppern zu bemerken, sagte Markus Haindl von der LandespolizeidirektionNÖ am Freitag auf APA-Anfrage. In den vergangenen 14 Tagen habe es mehrere Aufgriffe von Flüchtlingen an der Ostautobahn(A4) zwischen Bruck a.d. Leitha und Schwechat gegeben. Es habe sich vorwiegend um Afghanen und Syrer gehandelt.

Schließung zeigt Auswirkungen

Die Größe der Gruppen bezifferte Haindl mit jeweils acht bis zehn Personen. Die Flüchtlinge seien vermutlich mit Lkw und Kleintransportern aus Ungarn nach Österreich gebracht worden. Ausweichrouten, etwa über die Slowakei, seien nicht erkennbar. Die Schließung der Balkan-Route habe Auswirkung auf Schlepper-Bewegungen, konstatierte Haindl. Schlepper seien nicht festgenommen worden.

Die oberösterreichische Polizei hat vorerst im April über vier Aufgriffe von insgesamt 44 geschleppten Personen berichtet. Zum Teil wurden hier auch ihre Schlepper gefasst. In den Monaten davor gab es kaum derartige Meldungen.

Die Flüchtlinge waren jeweils in Fahrzeugen aus Ungarn nach Österreich transportiert worden. Das Ziel sollte jeweils Deutschland sein. Doch hat die Polizei die Menschen vor der Grenze zu Bayern entweder in den Fahrzeugen entdeckt oder auf der Straße aufgegriffen, nachdem sie von den Schleppern ausgesetzt worden waren.

"Es wird beobachtet"

Im Burgenland sei bei den Fällen von Schlepperei seit Jahresbeginn ein leichter Anstieg zu verzeichnen, hieß es von der Landespolizeidirektion Burgenland auf APA-Anfrage. Wurden im Februar sechs Verdächtige erwischt, waren es im März bereits zwölf, so Polizeisprecher Gerald Koller. In der Nacht auf Donnerstag klickten für acht mutmaßliche Schlepper im Burgenland die Handschellen.

"Seitens der Polizei im Burgenland wird natürlich das Ganze beobachtet, sowohl national als auch international", sagte Koller. Auf den Anstieg werde reagiert, indem zusätzlich zu Grenzkontrollen auch Schwerpunktaktionen durchgeführt werden. Die Geschleppten würden teilweise mit Klein-Lkw nach Österreich gebracht. Manche Schlepper ließen ihre Mitfahrer auch auf ungarischer Seite aussteigen.

In Salzburg war hingegen noch kein Anstieg oder Trend bei der Schlepperei erkennbar, sagte Polizeisprecher Michael Rausch zur APA. "Es gibt vereinzelt Aufgriffe, diese haben aber nicht die Dimension wie Montagnacht in Oberösterreich." Auch bei der deutschen Bundespolizei sprach man von einem aktuell gleichbleibenden Niveau.

"Logische Folge der Entwicklungen"

"Wir greifen derzeit im Schnitt ein bis zwei mutmaßliche Schleuser pro Tag auf", sagte ein Sprecher. Das entspreche in etwa auch den Zahlen der vergangenen Monate.

In Kärnten hat es in den vergangenen Wochen trotz Grenzkontrollen und Militäreinsatzes nur zwei Aufgriffe von Schleppern gegeben. "Wir haben keinen Anstieg bei der Schlepperei verzeichnet", sagte Gottlieb Türk, Leiter des Landeskriminalamts Kärnten, auf APA-Anfrage.

"Es gibt aber Erkenntnisse, die darauf hinauslaufen, dass mit massiver Zunahme in nächster Zeit zu rechnen ist." Das ergebe sich aus Aussagen von Betroffenen und sei überdies eine "logische Folge der aktuellen Entwicklungen". Welche Entwicklungen er genau meine, wollte Türk auf Nachfrage nicht präzisieren.

"Kontrollieren alle Typen von Fahrzeugen"

Die Linien illegaler Migration verlaufen in der Steiermark nach wie vor an den Hauptverkehrsrouten, wie seitens der steirischen Polizei auf APA-Anfrage hieß. Die Brennpunkte seien dabei der Autobahnübergang (A9) als auch die Bundesstraßengrenze (B69) zu Slowenien in Spielfeld. Übertrittsversuche gebe es auch an der Grünen Grenze, die vom Bundesheer überwacht werden, aber diese seien "minimalst".

"Der berühmte Kastenwagen kommt immer vor, aber wir kontrollieren alle Typen von Fahrzeugen", sagte Polizeisprecher Leo Josefus. Es sei ein Menschenschmuggel durch Schlepper in allen Fahrzeugen möglich, in die eine Person hineinpasse. Zusätzlich neben den Straßengrenzübergängen gebe es auch die Kontrollen im Hinterland bei verdächtigen Fahrzeugen, etwa auf Raststationen.

In Vorarlberg ist nach Angaben von Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) kein "grundsätzlicher Anstieg" bei der Schlepperei feststellbar. Auch in Tirol ist das Delikt derzeit kein großes Thema.