Erstellt am 16. Februar 2016, 07:24

von Jutta Hahslinger

„Vertreibe doch nur Mäuse mit Böllern“. Strafrichterin lässt sich von der Eloquenz eines pensionierten AHS-Lehrers keinen Sand in die Augen streuen.

Frank Riel Junior, der Rechtsbeistand der bedrohten Nachbarin, bot dem wortgewandten Beschuldigten Paroli.  |  NOEN, Jutta Hahslinger
„Absurd“, befindet ein pensionierter AHS-Lehrer (61) vor Gericht den Vorwurf, seine Nachbarin aus dem Bezirk Krems mit dem Erschießen bedroht zu haben. Höflich, aber bestimmt setzt der Magister zum Konter an: Statt eines geruhsamen Landlebens mache ihm die Nachbarschaft mit grundlosen und lautstarken Streitereien den Ruhestand zur Hölle.

Die Schilderungen der letzten streitbaren Begegnung lassen ihn den Kopf schütteln: „Beim Spaziergang traf ich auf Familienmitglieder, die plötzlich aufschrien. Während ich mich noch wunderte und perplex dastand, kam auch schon Frau Elisabeth aus dem Hendlstall, einen Prügel schwingend, auf mich zugelaufen. Ich bin weg, sie hinter mir her. Dann ist zum Glück schon die Polizei gekommen.“

Eine Morddrohung sei von ihm bei der Begegnung jedenfalls nicht gefallen, beteuert der Rentner. Hingegen habe die Nachbarin zu seinem Erstaunen, geäußert: „Wenn da leichter ist, dann daschiaß mi!“

„Ich habe mich damals gefragt, was das soll. Nun weiß ich, das war nur ein weiterer Versuch, mir was anzuhängen“, erklärt der Beschuldigte mit sichtlichem Unmut und betont, er habe keine Waffe.
Für die von der verängstigten Nachbarin geschilderte „Knallerei auf seinem Grundstück“ hat er eine simple Erklärung: „Ich habe Wühlmäuse, und die vertreibe ich mit Böllern.“

Der pensionierte AHS-Lehrer bleibt bei seiner leugnenden Verantwortung, der sich Strafrichterin Monika Fasching-Lattus nach dem Beweisverfahren aber nicht anschließt. Sie befindet den bislang unbescholtenen Pensionisten der gefährlichen Drohung für schuldig und verhängt über ihn eine viermonatige Bewährungsstrafe.