Erstellt am 21. März 2017, 02:18

von Franz Aschauer

Schulstart für die „Cyber.Kids“. Mit Präventionsprojekt sollen schon Kinder in der Schule vor den Gefahren des Internets besser geschützt werden.

Gemeinsam mit Kinderpolizei-Maskottchen „Tommi“, Landesrätin Barbara Schwarz und Polizistin Jutta Theissl-Kaiser (rechts) präsentierte Innenminister Wolfgang Sobotka den Kindern der Volksschule Mautern und ihrer Direktorin Christiane Böhm sowie Lehrervertreter Peter Böhm sein neuestes Projekt.  |  NOEN, Johann Lechner

Erst vor zwei Wochen präsentierte Innenminister Wolfgang Sobotka die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres. Die höchste Zuwachsrate aller Kategorien verzeichnete dabei die Cyberkriminalität. 13.103 Fälle wurden im Vorjahr angezeigt, das entspricht einer Steigerung von 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015.

Nicht zuletzt aus diesem Grund gab Sobotka jetzt in der Volksschule Mautern den Startschuss für das Projekt „Cyber.Kids 0810“. Wie schon im Namen enthalten, richtet es sich an Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren, im Sommer soll dann mit „Cyber.Kids 1012“ auch ein Angebot für die Zehn- bis Zwölfjährigen kommen.

Ziel des Projekts ist in Zusammenarbeit mit der Kinderpolizei und der Kriminalprävention, den ersten Umgang mit dem Internet zu begleiten und den richtigen Umgang damit zu vermitteln. „98 Prozent der Neun- bis 16-Jährigen nutzen das Internet. Die Tragweite von Aktionen im World Wide Web ist Kindern aber oft nicht bekannt. Deswegen haben wir die Aktion jetzt ins Leben gerufen, um in pädagogischer Form so früh wie möglich Präventionsarbeit für Cyberkriminalität leisten zu können“, erklärt Sobotka.

459 Cyber.Kids-Betreuer in Österreich unterwegs

Offiziell gestartet wurde das Projekt zwar bereits 2015, die Pilotphase konnte aber erst vor Kurzem abgeschlossen werden. 459 „Cyber.Kids-Betreuer“ mit kinderpolizeilicher Ausbildung stehen jetzt österreichweit zur Verfügung. Anhand eines Handbuchs sollen die Betreuer in den Schulen mit den jungen Internetnutzern Themen wie Datenschutz durchgehen, aber auch aufarbeiten, wie man mit seinen Gefühlen im Netz umgehen soll.

Angriffe gegen Kinder im Internet kommen laut dem Innenminister übrigens zumeist in drei spezifischen Formen vor. Zum einen durch „Cyberbullying“, das darauf abzielt, Kinder durch peinliche Bilder oder Beschimpfungen in sozialen Netzwerken an den Pranger zu stellen. Eine andere weitverbreitete Form der Internetkriminalität gegenüber Kindern ist „Grooming“. Unmündige werden dabei gezielt angesprochen, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Brandaktuell ist derzeit das sogenannte „Happy Slapping“, das ins Netz gestellte Gewaltvideos von Kindern bezeichnet. Erst zuletzt sorgte eine 16-jährige Kamptalerin damit für österreichweites Aufsehen (die NÖN berichtete). Sie muss jetzt für sechs Monate ins Gefängnis.

„Drittklässler benutzen schon WhatsApp“

Durch das Projekt „Cyber.Kids“ sollen solche Fälle in Zukunft verhindert werden. Für die Mauterner Volksschul-Direktorin Christiane Böhm eine wichtige Schutzmaßnahme für ihre Schüler: „Der Umgang mit dem Internet und seinen Diensten ist oft nicht bewusst. Manchmal wundere ich mich, weil viele Kinder in den dritten und vierten Klassen auch schon WhatsApp benutzen.“

Froh über den Projektstart in Niederösterreich ist Bildungslandesrätin Barbara Schwarz. „Das zeigt, wie wichtig uns die digitale Erziehung ist. ‚Cyber.Kids‘ ist die ideale Begleitung zur guten technischen Ausstattung der Schulen.“

Ende 2013 startete Ex- Innenministerin Johanna Mikl-Leitner das Projekt Cyber.Kids. Experten des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie an der Uni Wien, des MCI Innsbruck, Mitarbeiter des Cyber Crime Competence Centers (C4) im Bundeskriminalamt sowie Eltern- und Schulvertreter haben dafür gemeinsame Strategien erarbeitet.