Erstellt am 22. Dezember 2015, 03:23

von Gila Wohlmann

Weihnacht hinter Gittern. Gerade im Dezember läuft der Alltag in den heimischen Justizanstalten schon fast familiär.

Justizanstalt Göllersdorf: Insassen basteln für den Weihnachtsmarkt.  |  NOEN, APA/HELMUT FOHRINGER

Nicht jeder, der möchte, kann den Heiligen Abend mit seinen Lieben verbringen, denn er oder sie bekommt keinen Ausgang. Manche verbringen das erste Mal in ihrem Leben den 24. Dezember hinter Gittern.

Der Advent ist aber in den NÖ Justizanstalten eine ganz besondere Zeit. Da sind sich viele Insassen, aber auch das Justizpersonal einig. Gottfried Neuberger leitet die Justizanstalt Schwarzau, Österreichs einziges Frauengefängnis. Feiern inhaftierte Frauen das Weihnachtsfest anders als Männer?

"Insassinnen besonders freundlich“

„Ja. Durchaus“, ist Neuberger überzeugt. Wenn Frauen mit Frauen feiern, sei schon in der Vorweihnachtszeit vieles friedlicher und besinnlicher. „In dieser Zeit sind die Insassinnen besonders freundlich“, weiß er.

Derzeit sind in Schwarzau 130 Frauen im Alter zwischen 19 und 72 Jahren inhaftiert, viele haben Kinder. Einige davon leben mit ihren Babys auf der eigenen Mutter-Kind-Station in der Anstalt. Jene, denen Ausgang gewährt wird, dürfen den 24. Dezember bei ihren Familien verbringen.

In der Anstalt wird eine eigene Weihnachtsfeier mit einem Gottesdienst für verschiedene Religionen abgehalten, im Kultursaal gibt es Darbietungen, ebenso einen Adventmarkt. „Frauen zeigen gerade in dieser Zeit einfach mehr Empathie als Männer“, ist Neuberger aufgefallen.

Geschenke für alle, aber kein Geld

35 Nationen, rund 280 Insassen, 46 davon sind derzeit in Krankenhäusern untergebracht, verbüßen derzeit in der Justizanstalt St. Pölten ihre Haftstrafe. „Kein besonderes Verhalten, weder im positiven noch negativen Sinn“ – ortet Anstaltsleiter Günther Mörwald in dieser Zeit.

Natürlich gibt es auch hier eine eigene Weihnachtsfeier. „Die Teilnahme daran ist für die Insassen freiwillig. Es gibt Geschenke, hergerichtet von Damen einer katholischen Bewegung“, wie Mörwald erzählt. Zigaretten, Süßigkeiten oder andere Kleinigkeiten werden allen Insassen überreicht, religions- und nationsunabhängig, niemals aber Geld.

Was Mörwald in seinen vielen Dienstjahren für seine Anstalt aufgefallen ist: „Die Bedeutung des christlichen Weihnachtsfestes an sich sinkt, da wir eben so viele andere Religionszugehörigkeiten haben, Insassen ohne Bekenntnis oder auch Inhaftierte, deren Religionszugehörigkeit wir nicht kennen.“ Muslime feiern für sich gesondert den Ramadan.

Weihnachten hat "ganz besondere Bedeutung“ 

In der Justizanstalt Göllersdorf, wo Menschen mit psychischen Auffälligkeiten inhaftiert sind, hat die Weihnachtszeit „eine ganz besondere Bedeutung“ wie Anstaltsleiterin Karin Gruber bestätigt: „Die Insassen schauen dann schon oft auf die Uhr, wann die Angehörigen endlich zur gemeinsamen Feier erscheinen und sind ganz nervös, auch, ob sie ein Geschenk bekommen.“

Klar gibt es hier ebenso Geschenke von der Anstalt, die sich teilweise aus Spenden zusammensetzen. „Wir kennen unsere Patienten sehr gut, da finden wir für jeden die passende Kleinigkeit“, so Gruber. In jeder Wohnstation ist ein eigener Christbaum aufgestellt, jede Station begeht überdies noch eine eigene Feier.

Für viele Patienten ist das das erste Weihnachtsfest in einem geschlossenen sozialen Gefüge. Das erste Aufflackern des Gefühls der Geborgenheit, wenn auch hinter verschlossenen Türen. Aber ein Fest, das manchen bislang verwehrt geblieben ist.


„Eine sehr emotionale Zeit“

x  |  NOEN, zVg

Margitta Neuberger-Essenther, Leiterin der Justizanstalt für Jugendliche in Gerasdorf.

NÖN: Dürfen manche inhaftierte Jugendliche den Heiligen Abend zu Hause verbringen?
Neuberger-Essenther: Manche Insassen dürfen nach Hause, abhängig, ob sie schon die Lockerungsstufen haben und der soziale und psychologische Dienst der Meinung ist, dass das häusliche Klima passt und stabil ist. Weihnachten ist eine sehr emotionale Zeit, da müssen wir sehr vorsichtig sein, dass es nicht zuhause zu Streitigkeiten und Eskalationen kommt.

Wie reagieren Jugendliche, wenn Angehörige keinen Kontakt haben wollen oder umgekehrt?
Neuberger-Essenther: Zwangsläufig traurig, wenn man sich etwas wünscht und das nicht erfüllt wird. Frustrationen sind die Folge. Ich denke, Mütter leiden mehr als die „starken“ Männer.

Wie läuft die Feier in der Anstalt ab?
Neuberger-Essenther: Es findet eine multikulturelle vorweihnachtliche Feier statt, die die jungen Männer sehr aktiv mitgestalten. Im Anschluss gibt es im Innenhof ein Zusammentreffen der Jugendlichen mit unseren Gästen und den Mitarbeitern bei Speis und Trank. Angehörige sind hier nicht dabei. Einige der Jugendlichen bedanken sich immer sehr herzlich und artikulieren auch, dass dies das schönste Weihnachten war, das sie je erlebt haben. Es ist stets sehr friedvoll. Berührend ist immer wieder für mich, wenn sie sich entschuldigen, dass sie „schlimm“ waren.

Erzählen Jugendliche von Weihnachten, wie es daheim war?
Neuberger-Essenther: Wenig. Weil es zu belastend ist, oder eben, weil sie keines erlebt haben.