Erstellt am 18. Mai 2016, 06:44

von Eva Hinterer und Gila Wohlmann

Immer weniger Opfer suchen Hilfe. Die Zahl der Beratungen geht zurück. Pilotprojekt soll Opfer auf Unterstützung hinweisen.

Dina Nachbaur, fachliche Leiterin der Opferhilfe des Weissen Ringes Österreich.  |  NOEN, privat

Von psychosozialer und juristischer Prozessbegleitung, in Notfällen materielle Unterstützung: Opfer von Verbrechen finden beim Verein „Weisser Ring“ rasche und kostenlose Hilfe.

Doch trotz umfassenden Angebots zur Bewältigung der Opfersituation gehen die Beratungen zurück. Kontaktierten im Jahr 2013 noch 23.900 Menschen den Opfernotruf, waren es 2015 nur noch 22.000. Ein Trend, der sich auch heuer abzuzeichnen scheint.

Opfer geraten oft in Vergessenheit

Von der Exekutive besteht die Verpflichtung, Opfer über Beratungsangebote zu informieren. Dennoch passiert das offenbar nicht ausreichend. „Die Polizei hat sehr viele Aufgaben, überall brennt der Hut, da geraten die Opfer von Verbrechen oft in Vergessenheit“, sagt Dina Nachbaur. Sie ist fachliche Leiterin der Opferhilfe beim Weissen Ring. Und hat für die Situation der Polizei Verständnis.

Um Verbrechensopfer besser auf Hilfsangebote hinzuweisen, wird in Kürze in Wien ein Pilotprojekt gestartet: Ein einfach formulierter Text auf den Vernehmungsprotokollen der Polizei soll auf die Hilfe durch den Weissen Ring hinweisen. „Diese Texte werden derzeit noch juristisch geprüft, wir hoffen, dass das Projekt bis Sommer starten kann“, sagt Nachbaur. Ist es erfolgreich, wird es auf ganz Österreich ausgerollt.

Gewalt im öffentlichen Raum nimmt zu

Dass Information über Opferschutz immer wichtiger wird, davon ist Nachbaur überzeugt, denn „die Gewalt im öffentlichen Raum nimmt zu“. Für Gewalt in der Familie gebe es viele Einrichtungen, „aber für diese familienfremde Gewalt, wo der Weisse Ring zuständig ist, bräuchte es mehr Ressourcen“.

Der Verein hat in NÖ nicht einmal ein Büro. Um alle freiwilligen Mitarbeiter – unter ihnen Polizisten, Juristen, Therapeuten etc. – zu koordinieren, wären ein bis zwei Angestellte nötig, sagt Nachbaur.