Erstellt am 03. Mai 2016, 05:34

von Gila Wohlmann und Eva Hinterer

Wenn der Untergrund bebt. In der Vorwoche ging ein kräftiger „Ruck“ durch NÖ. Beben sind im Land keineswegs selten.

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Kurz, aber kräftig bebte vergangene Woche die Erde in Niederösterreich. Das Epizentrum: Alland im Bezirk Baden. „Die Herdtiefe lag bei zehn Kilometern, die Magnitude bei 4,2“, schildert Rita Meurers, Seismologin an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Doch welche Gefahr bedeutet Magnitude von 4,2? „In der Nähe des Epizentrums sind bei Beben dieser Stärke leichte Schäden wie etwa Risse im Verputz möglich“, erklärt sie. Auch, dass in Niederösterreich das Wiener Becken fortlaufend über den Semmering bis in die Steiermark die erdbebengefährdetste Gegend des Bundeslandes sei. In der Wachau und im Raum Scheibbs finden sich ebenso immer wieder Epizentren.

„Das Wiener Becken dehnt sich jährlich um etwa einen Millimeter aus. Beben entstehen, wenn die Erdplatten gegeneinander verschoben werden. Dabei wird Spannung im Untergrund aufgebaut. Wenn sie zu groß wird, kommt es zu einem Bruch.“ Die Folge: ein Erdbeben.

Wie verhält man sich dann richtig? „Bei Erdbeben mit einer Stärke, die etwas stärker als jenes von Alland sind und auch länger andauern, ist es am besten, in einem Gebäude unter einem Tisch, Türstock oder einer tragenden Wand Schutz zu suchen. Dachziegel, Schornsteine oder andere Gegenstände könnten herabstürzen.“

Zivilschutzverbands-Präsident Christoph Kainz rät, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen und, wenn Strom vorhanden ist, das Radio einzuschalten. „Generell ist es gut, so viel Vorräte zu Hause zu haben, dass man sich einige Tage selbst versorgen kann.“ Der Zivilschutzverband hat jedenfalls das aktuelle Beben zum Anlass genommen, Erdbeben in die Prävention hineinzunehmen. Nicht unbedingt, weil es in Österreich so gefährlich wäre: Aber viele Österreicher machen Urlaub in Ländern, in denen es durchaus Erdbeben geben kann.

Freier Datenaustausch der Seismologen

Eine der Aufgaben von Seismologin Meurers ist es, Erdbewegungen zu registrieren. „Wir sind mit den ausländischen Stationen sehr gut vernetzt; es besteht freier Datenaustausch“, erklärt sie, und dass es die Verpflichtung der ZAMG als einzige Stelle in Österreich ist, „Ankunftszeiten“ von Erdbeben, an internationale Datenzentren zu melden. 18 Stationen gibt es bundesweit, die diese Bewegungen nach dem Erdstoß aufzeichnen und die Daten innerhalb weniger Sekunden in die Zen-trale nach Wien senden. In NÖ ist eine im Conrad-Observatorium bei Pernitz, eine weitere im Rosaliengebirge. Es gibt aber auch temporäre Stationen der Technischen Universität. Derzeit ist eine solche für ein wissenschaftliches Projekt in der Seegrotte in der Hinterbrühl stationiert.

Rund 800 Mal bebt die Erde jährlich in Österreich, aber nur rund 60 dieser Beben sind überhaupt fühlbar. Das aktuelle Beben hat übrigens keine gröberen Schäden angerichtet.

Erdbeben in NÖ

  • Erdbeben mit einer Magnitude von mindestens 4,0 ereignen sich in Österreich statistisch gesehen etwa alle zwei Jahre, in NÖ alle sieben Jahre. Die letzten vergleichbaren Beben waren am 20.9.2013 und am 2.10.2013, beide im Raum Ebreichsdorf (NÖ) mit Stärke 4,2.  Das stärkste jemals in NÖ beobachtete Erdbeben ereignete sich 1590 im Tullnerfeld, es gab sogar Tote. Ein Beben in Seebenstein im April 1972 war bis Wien spürbar, es gab rund 800 Feuerwehreinsätze.
  • Erdbeben Alland, 25.4.2016: Nach dem Hauptbeben zu Mittag gab es ca. 22 Nachbeben. Das Erdbeben wurde vom Semmering bis nach Tschechien verspürt. Bereits in der ersten Stunde nach dem Beben trafen über das Wahrnehmungsformular der ZAMG rund 1.800 Mitteilungen ein. Im Laufe des Nachmittags stieg die Zahl der Rückmeldungen aus der Bevölkerung auf rund 3.000.
  • Die ZAMG schreibt übrigens Bestätigungen für Versicherungen über die Stärke des Erdbebens.
  • Meldungen an: zamg.ac.at/ cms/de/aktuell/erdbeben