Erstellt am 01. August 2017, 02:52

von René Denk

Wirbel um Wölfe in Allentsteig. Bezirksjägermeister und Wolfsbeauftragter in der Wolfsfrage nicht einig.

Wolf  |  shutterstock.com/Scott E Read

Die Wogen im Bezirk Zwettl gehen hoch. Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker sandte ein emotionales E-Mail an Medien und den Wolfsbeauftragten des Landes, Georg Rauer, in dem er vermeintliche Falschinformationen anprangert.

„Diese Wolfsmärchen werden immer unglaublicher. Die Bauern und die Jägerschaft sind einigermaßen aufgebracht“, so Kernecker in dem Schreiben. Die Meldung der Vorwoche, dass für die sieben gerissenen Lämmer in der Gemeinde Bad Traunstein im Mai nicht ein Wolf vom TÜPl, sondern ein neu zu- oder durchgewanderter Wolf, wahrscheinlich aus Deutschland, Polen oder der Slowakei verantwortlich ist, sei der Höhepunkt. Kernecker: „Das glaube, wer will. Die Jägerschaft im Bezirk Zwettl aber nicht!“

Ein Wolfspaar produziere pro Jahr vier bis sechs Junge. Im Vorjahr waren es fünf Junge, heuer wieder sechs, und angeblich hat sich schon ein zweites und vielleicht schon ein drittes Rudel gebildet, was ungefähr insgesamt 20 Wölfe wären, so Kernecker. Dem Wolfsbeauftragten liegen allerdings keine Hinweise darauf vor, dass es ein weiteres Rudel gibt. Kernecker betont, dass das Muffelwild am TÜPl bereits großteils verschwunden ist und jetzt das Rotwild „dran sei“. „Die Ausrottung einer Wildart, die seit Jahrzehnten im TÜPl gelebt hat, ist anscheinend egal. Wenn nur der liebe Wolf wieder da ist“, schreibt er.

Wolfsbeauftragter Georg Rauer: „Ja, das Ergebnis ist überraschend, weil wir alle damit gerechnet haben, dass ein oder mehrere Jungtiere vom TÜPl die Risse verursacht haben. Das Ergebnis ist aber nicht unglaublich, wandernde Wölfe können überall in Österreich auftauchen“, meint Rauer auf die Aussage Kerneckers.

Im NÖN-Gespräch betont der Wolfsexperte, dass er Verständnis für Landwirte und Jäger habe. Aber es würden auch Ängste geschürt, denn der Wolf bedeute etwas Neues, das Wild in einem Wolfsrevier werde sich anders verhalten als bisher.

Einen Punkt hebt Rauer noch hervor: Wenn ein Wolfsrudel ein Revier für sich beansprucht hat, dann bleiben die Entnahmezahlen in diesem Revier gleich: Ein ausgewachsener Wolf erlegt pro Jahr zirka 1.400 bis 1.500 Kilo Beute. Gerechnet auf neun ausgewachsene Wölfe sind das 13.500 Kilo. Ein Rudel beansprucht im Schnitt ein Revier von 25.000 Hektar. Das ergibt eine Beutemenge von 0,54 Kilo pro Hektar. „In dieser Größenordnung spielt sich das ab. Ein Rudel wird nicht größer. Jungwölfe wandern ab, das heißt, der Bedarf geht in die Fläche“, so Rauer.