Erstellt am 29. Dezember 2015, 06:03

von Jutta Hahslinger

Wüste Rentner-Attacke. „Er holte mich vom Rad, würgte mich und drohte, mich aufschlitzen zu lassen. Ich hatte wirklich Angst“, erzählt 14-Jähriger über Begegnung der unangenehmen Art.

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„Der will a Schmerzensgeld, ha, ha! Des san Früchtchen, so a kleine Jugendbande“, wettert der Frühpensionist (52) aus dem Bezirk Krems und lässt sich auch vom Richter nicht bremsen. „Die lungern am Bahnhof herum und machen Sachen kaputt. Mehrere Räder wurden demoliert. Auch meine Katze haben sie zusammengetreten“, ergeht sich der 52-Jährige in wilden Anschuldigungen gegen zwei 14-jährige Buben.

Auf den Einwand des Richters, er sei nicht das Opfer, sondern der Beschuldigte, beteuert der Rentner: „I hab nix g’macht.“ Er will den Teenager weder vom Rad gestoßen noch gewürgt oder bedroht haben. „Den Buam hat’s von alleine auf die Pfeifen g’haut. Aufhelfen konnte ich ihm nicht, da ich nach sechs Schlaganfällen gesundheitlich sehr angeschlagen bin und Krücken zum Gehen brauchte“, schildert der Rentner.

Der gestürzte Bursche habe sich dann aufgerappelt und angekündigt „Dir versaue ich das Leben. Ich hol mir a Schmerzensgeld“, dann sei er, den Stinkefinger zeigend, weg, erzählt der 52-Jährige und führt seine Ehefrau (27) als Zeugin an. Stockend, mit soufflierender Unterstützung des Beschuldigten, bestätigt die bessere Hälfte die Version des Gatten.

„Der Mann hatte keine Krücke.
Er hatte sich über ihn gebeugt,
eine Hand zur Faust geballt,
mit der anderen hat er ihn gewürgt,“
sagt ein Zeuge vor Gericht.

„Aussage wirkt einstudiert“, kommentiert die Anklägerin.
„Ich habe seiner Katze nichts getan und wir haben auch keine Räder demoliert. Er hat mich vom Rad gestoßen, gewürgt und gedroht, mich aufschlitzen zu lassen. Ich hatte wirklich Angst“, erzählt das Opfer, das nach der Rentnerattacke einige Tage eine Halskrause tragen musste. Ein Zeuge (14) bestätigt: „Der Mann hatte keine Krücke. Er hatte sich über meinen Freund gebeugt, eine Hand zur Faust geballt, mit der anderen hat er ihn gewürgt. ,Loslassen‘ habe ich geschrien, und da hat er aufgehört.“

Mit diesen Aussagen konfrontiert bleibt der Rentner bei der leugnenden Verantwortung.
Richter Michael Marvan glaubt den Kindern und verurteilt den 52-Jährigen wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung zu sechs Monaten bedingt. Es setzt weiters ein Kontaktverbot, und der Rentner muss 400 Euro Schmerzensgeld zahlen.